Vorsorge und Vorbeugung in der Augenheilkunde:

Die Augen sind unser wichtigster Sinn. Seheinschränkungen oder gar Erblindung bedeuten Einschränkung der beruflichen Möglichkeiten und einen Verlust an Lebensqualität. Man muß deswegen nicht panisch ständig Angst um sein Augenlicht haben aber ein paar einfache Vorsorgemaßnahmen können doch häufig Unerfreuliches verhindern.

(Unten im Bild eine Halterung für eine dem Risiko der Beschäftigung entsprechende Schutzbrille, Photo entnommen www.Pixelquelle.de)

Schutzbrille

“Sterben ist nichts - doch leben und nichts sehen, das ist Unglück !” (Friedrich Schiller in Wilhelm Tell)

Wie häufig sollte ich meine Augen bzw. die meiner Kinder auch ohne besondere Beschwerden vom Augenarzt kontrollieren lassen ?

  • Bei der Geburt sollte die Hebamme oder der Gynäkologe einen kurzen Blick auf die Augen werfen. Sind sie äusserlich intakt, besteht Schielen, öffnen sich die Lider ausreichend, sind beide Pupillen dunkel und reagieren auf Licht ? Besteht eine eitrige Entzündung ? In Zweifelsfällen sollte das Kind einem Augenarzt vorgestelllt werden.

  • Frühgeborene, insbesondere wenn sie Sauerstoff im Brutkasten bekommen haben, sind ein Sonderfall. Sie brauchen von Anfang an eine konsequente augenärztliche Überwachung, da hier das Risiko für Erblindung, Schielen, Schwachsichtigkeit und Netzhautablösungen (8% der Kinder unter 1250 Gramm und 20% der vor der 28. Schwangerschaftswoche Geborenen) besonders groß ist.

  • Im weiteren Verlauf des normal geborenen Kindes, sollte auf eine regelrechte Entwicklung des Erkennens und zielgerichteten Greifens geachtet werden. Im Rahmen der Untersuchungen beim Kinderarzt wird dies teilweise überprüft. Gibt es in der Familie häufiger Schielen oder einseitige Schwachsichtigkeit, sollte eine Vorstellung beim Augenarzt mit 6 Monaten oder spätestens mit 2 Jahren erfolgen. Besteht ansonsten der Verdacht auf Schielen beim Kind oder zeigt eine Pupille keinen Rotreflex beim Photographieren mit Blitzlicht, sollte altersunabhängig ein Augenarzt aufgesucht werden. (Vergleiche auch die Untersuchung beim Kleinkind)

  • Mit dreieinhalb bis vier Jahren sollte immer ein Augenarzt aufgesucht werden. Jetzt ist die Mitarbeitsfähigkeit des Kindes schon gut genug, um einen genauen Status zu erheben und ggf. eine Brille zu verschreiben. Hier wird natürlich eine dem kindlichen Gesicht angepaßte sogenannte Kinderbrille verwendet. Die Kinderbrille hat einen weichen Silikonnasensteg, damit die Brille nicht auf der kleinen Kindernase rutscht und drückt. Weiterhin muß die Größe dem Gesicht angepaßt sein, damit die Gläser mit ihrem Mittelpunkt auch vor der Pupille sitzen. Die Bügel sind in der Regel sehr flexibel und gehen hinter dem Ohr weit herum, damit die Brille nicht so leicht herunterfällt (sogenannte Gespinstbügel). Ein Beispiel unten im Bild.

Kinderbrille

  • Vor der Einschulung wird dann noch mal eine abschließende Untersuchung auf volles Sehvermögen durchgeführt. Bestehen in der Schule Leseprobleme oder fällt im Alltag eine Sehschwäche auf, sollte die Sehfähigkeit überprüft werden (siehe auch Schulprobleme und Augen).

  • Vor allem bei kurzsichtigen Eltern kann im Alter von 12-16 bei einem vorher gut sehenden Kind ohne Sehfehler, die Kurzsichtigkeit durchkommen. Ein Sehtest in diesem Alter ist in diesem Fall jährlich sinnvoll, denn viele Kinder berichten nicht von ihren Sehproblemen aus Sorge eine Brille zu bekommen. Bei normalsichtigen Eltern reicht hier ein Sehtest alle 2 Jahre.

  • Mit 18 ist in der Regel der Führerscheinsehtest notwendig und insofern vor dem Eintritt ins Berufsleben oder Studium eine Kontrolle gegeben. Spätestens dann tritt meist das große “Augenärztliche Untersuchungsloch” ein. Tritt nicht ein anderes Augenproblem (Entzündung etc.) auf oder wird bereits eine Brille getragen, sieht man die Patienten bis zum Eintritt der Altersweitsichtigkeit mit 45 meist nicht wieder. Vor allem bei bestimmten Grunderkrankungen (Diabetes, Bluthochdruck, hohe Kurzsichtigkeit des Auges) sollten jedoch regelmäßige Kontrollen erfolgen. Alle 5 Jahre bis 40 ist auch ohne Erkrankungen ein kurzer Augencheck sinnvoll.

  • Ab 40 dann sollte 2-jährlich ein Kontrolle erfolgen und bei Besonderheiten wie Grünem Star etc. auch häufiger. Ab diesem Alter empfiehlt sich auch eine Augenuntersuchung auf Verkehrstüchtigkeit, denn gerade im Strassenverkehr spielt die zentrale Sehschärfe, ein intaktes Gesichtsfeld und gutes Sehen auch bei Dämmerung eine große Rolle.

  • Ab 60 sollte man eine Netzhautuntersuchung durchführen lassen, um eine beginnende Makulopathie auszuschließen.

Was muß ich zur Schonung meine Augen im Alltag beachten ?

  • Zuallererst sollten Sehfehler ausreichend korrigiert sein, da das Auge sich sonst überanstrengt und es zu Kopfschmerzen, Ermüdung und Lidrandentzündungen kommt. Das heißt, wenn eine Brille notwendig ist, muß sie auch für die Arbeitsentfernung passend sein. Dies gilt insbesondere für Arbeitsplätze im Nahbereich wie zum Beispiel Bildschirmarbeitsplätze.

  • Dann muß die Beleuchtung - soweit beeinflußbar - blendfrei und ausreichend hell sein. (Vergleiche auch unter Bildschirmarbeitsplätze und Bedeutung des Lichtes). Je dunkler es ist, desto mehr muß sich nämlich das Sehsystem anstrengen.

  • Die Augenoberfläche muß vor starker Austrocknung durch Zug, Wind, trockene Luft, lange Naharbeit und Rauch soweit möglich geschützt werden, da sonst Beschwerden wie beim trockenen Auge hervorgerufen werden. Hierzu gehören geeignete Brillen beim Fahrradfahren, ausreichende Luftfeuchtigkeit etc.

  • Zu intensive UV-Strahlung am Meer, im Hochgebirge und bei Schweissarbeiten sollte durch geeignete Schutzbrillen abgeblockt werden. Siehe auch unter Bedeutung des Lichtes.

  • Bei langer Naharbeit (Lesen, Bildschirm etc.) sollte die Augen immer mal wieder eine Pause bekommen und in die Ferne abschweifen können, da sich nur so die Muskeln entspannen. Ausschließliche Naharbeit kann die Entwicklung von Kurzsichtigkeit fördern.

Gibt es Warnsymptome ?

Schmerzen am Auge, wiederkehrende oder dauerhafte Sehstörungen, starke Rötungen und Schwellungen sind immer verdächtig. Näheres siehe unter Beschwerden

Wie schütze ich mich vor Verletzungen ?

Derzeit gibt es vorbeugungsbedingt eine Abnahme der Berufsunfälle - früher die Hauptursache von Erblindungen - und es ergeben sich mehr Freizeitunfälle. Generell gilt: “Im Zweifelsfall immer eine geignete Schutzbrille tragen”. Wenn bei Sportarten aufgrund eines Sehfehlers eine Brille getragen wird, sollte diese Polycarbonatgläser (Kunststoff/organische Gläser) haben und das Gestell nicht aus Metall sein. Ist keine Brille nötig, sollte z.B. beim Squash eine spezielle Schutzbrille getragen werden. Aufgrund der häufigen Schläger und Ballverletzungen kommt man in den USA ohne so ein “Ding” gar nicht auf den Court. Zum Thema Sicherheit im Sport siehe auch auf der Homepage www.sicherheitimsport.de. Für Heimwerker gilt: Beim Hantieren mit Meisseln, Bohrmaschinen oder Laugen und Säuren gibt es preiswerte Schutzbrillen im Baumarkt. Näheres siehe auch unter Unfälle am Auge.

Wie schütze ich mich vor Infektionen ?

Infektionen werden in der Regel durch sogenannte “Tröpfcheninfektion” oder Schmierinfektion übertragen, d.h. Infektionserreger (Bakterien, Viren) sind in einem feuchten Milieu und werden dann an das Auge gebracht. Das geschieht kaum durch Anniessen oder Anhusten, also durch die Luft, sondern eher durch direkten Kontakt also die Hände. Entweder hat man jemand die Hände geschüttelt oder man hat an an eine Türklinke gefasst und fasst sich dann selber an das Auge. Also nur mit sauberen Fingern am Auge reiben und ausführlich die Hände waschen wenn man mit möglicherweise infektiösen Dingen in Kontakt gekommen ist, bevor man sich selbst ans Auge fasst. Das gilt insbesondere für Träger von Kontaktlinsen. Selbstverständlich sollte man als Kontaktlinsenträger auch sehr darauf achten seine Reinigungslösungen und Behälter hygienisch einwandfrei zu benutzen.

Seltenere aber auch mögliche Infektionswege für die Augen sind das Blut (z.B. Netzhautentzündungen) und Eindringen von den Nasennebenhöhlen (s. Orbitaphlegmone und Orbitacellulitis unter Lidschwellungen) oder unterhalb der Haut (Abszess). Hier kann man kaum selber vorbeugen.

Muß ich bei bestimmten Erkrankungen besonders aufpassen ?

Allgemeinerkrankungen wie Bluthochdruck, die Zuckerkrankheit, Schilddrüsenüberfunktionen aber auch bestimmte Medikamente erhöhen das Risiko für Augenerkrankungen. Hier sollte regelmäßige Kontrollen erfolgen. Näheres finden Sie unter Allgemeinerkrankungen.

Liegen bestimme Augenerkrankungen wie z.B. grüner und grauer Star vor erhöht sich zwangsläufig auch der Betreuungs- und Vorsorgeaufwand. Vor einigen Jahren gab es noch ca. 8000 Erblindungen pro Jahr durch die Zuckererkrankung, von denen die meisten zu verhindern gewesen wären. Inzwischen ist dies durch konsequentere Kontrollen bei Haus- und Augenarzt deutlich besser geworden. Der Grüne Star als zweithäufigste Erblindungsursache in Deutschland und der Welt ist nach wie vor ein Problem. Das sind Zahlen, die die Notwendigkeit von Vorsorge unterstreichen. Näheres siehe unter Augenerkrankungen.

Gibt es bei der Ernährung etwas zu beachten ?

Insbesondere die Netzhaut im Auge ist ein Ort an dem ein sehr intensiver Stoffwechsel - also ein ständiger Auf- und Abbau von chemischen Substanzen - stattfindet. Nur wenn diese in ausreichender Menge zur Verfügung stehen, kann dies auf Dauer gut funktionieren. Wie auch generell sinnvoll, ist eine ausreichende und abwechslungsreiche Ernnährung vor allem mit Gemüse und Obst wichtig. Zumindest in Westeuropa kann man davon ausgehen, dass dann alle notwendigen Stoffe im Körper vorhanden sind und man nicht extra den “Möhrencocktail” zu sich nehmen muss (vergleiche auch Vorurteile über die Augen)Für bestimmte Stoffe und Vitamine wurde eine besondere Bedeutung nachgewiesen. Vereinzelte Studien beweisen auch die Wirksamkeit einer ergänzenden Zufuhr in Sonderfällen. In der Regel gibt es aber nur Hinweise auf positive Wirkungen. Insofern muß das inzwischen vorhandene breite Angebot an Vitaminpräparaten für alle möglichen Augenerkrankungen durchaus kritisch, hinsichtlich ihrer versprochenen Wirkungen, betrachtet werden. Es fehlen vielfach einfach langfristige Studien als Beweis.

Empfehlungen zur Smartphonenutzung bei Kindern

In Deutschland sind inzwischen 50% aller jungen Erwachsenen von Kurzsichtigkeit (Myopie) betroffen. In den asiatischen Ländern wie Japan, Taiwan, Hongkong und Singapur sind es sogar 71-96%.

Unbestritten ist inzwischen, dass die Zunahme vor allem auf den frühen und intensiven Gebrauch von PCs, Smartphones und Tablets bei gleichzeitig immer kürzeren Tagesaufenthalten im Freien - d.h. Hellen - zurückzuführen ist (s.a. Bedeutung des Lichtes). Je früher der übermäßige Gebrauch einsetzt, desto gravierender sind die Folgen, sprich vor allem das Risiko hoher Kurzsichtigkeit. Auch die Entwicklung des räumlichen Vorstellungsvermögens wird durch übermäßigen elektronischen Medienkonsum beeinträchtigt.

Wie also lauten die Empfehlungen:

  • Kein schlechtes Vorbild sein und in Anwesenheit der Kinder ständig am Smartphone hängen.

  • Bis zu einem Alter von 3 Jahren sollten Kinder keinerlei Smartphones, Tablets oder PCs benutzen.

  • 4 bis 6-Jährige maximal 30 Minuten täglich.

  • Im Grundschulalter maximal eine Stunde täglich.

  • Ab 10 Jahre bis zu maximal 2 Stunden pro Tag.

Was sagt der Gesetzgeber ?

Das Sozialgesetzbuch V (SGB V) appelliert an die Eigenverantwortung und schreibt: “Die Versicherten sind für ihre Gesundheit mitverantwortlich; sie sollen durch eine gesundheitsbewusste Lebensführung, durch frühzeitige Beteiligung an gesundheitlichen Vorsorgemaßnahmen sowie durch aktive Mitwirkung an Krankenbehandlung und Rehabilitation dazu beitragen, den Eintritt von Krankheit und Behinderung zu vermeiden oder ihre Folgen zu überwinden.”

Die trotzdem notwendige Behandlung soll dann den Kriterien „wirtschaftlich, ausreichend, notwendig und zweckmäßig“ (WANZ) entsprechen, laut Definition des Leistungskatalogs der Gesetzlichen Krankenkassen nach § 12 SGB V. Von “jeder bekommt alles was geht” ist da nicht die Rede. Dies wäre auch nicht finanzierbar aber eine Diskussion darüber was die Gemeinschaft für sinnvoll, wünschenswert und finanzierbar hält, wird von der Politik vermieden und stattdessen mit Budgets und Deckelungen gearbeitet. Der Arzt als Sparkommissar der Nation.

(Stand 04.12.2018)