Häufige Erblindungsursachen in der Dritten Welt:

Die folgenden Erkrankungen (Trachom, Flussblindheit, Vitamin-A-Mangelkrankheit) sind in Europa praktisch unbekannt und finden sich hier nur bei Migranten aus den Verbreitungsländern oder bei Europäern, die sie auf Reisen oder bei längeren Aufenthalten dort erworben haben. Letztere aber selten, da sie in der Regel rechtzeitig die entsprechende (preiswerte) Therapie bekamen, die in Entwicklungsländern häufig nicht zur Verfügung steht. Aufgrund der fehlenden medizinischen Versorgung in den betroffenen Staaten gehören diese Erkrankungen neben dem Grauen Star und dem Grünen Star zu den 5 häufigsten Erblindungsursachen der Welt. Sehr aktiv in der Bekämpfung dieser Krankheiten ist u.a. die Christoffel Blindenmission.

Die bei uns bedeutsameren Erkrankungen, wie die die altersabhängige Makuladegeneration und die diabetische Netzhauterkrankung nehmen aber auch in den Entwicklungsländern zu.

Das Trachom:

Das Trachom ist eine chronische Bindehautentzündung (Konjunktivitis), die durch den Erreger Chlamydium trachomatis (daher Trachom) hervorgerufen wird und zur Erblindung führen kann.

Der Erreger gelangt durch Schmierinfektion an die Bindehaut. Nach wiederholten Entzündungen der Schleimhaut mit Ausbildung von kleinen Knötchen ("Ägyptische Körnerkrankheit") kommt es zur Bindehautvernarbung und dadurch zur Verformung es Oberlides mit Einklappen nach innen (Entropium) und in der Folge zu Scheuern der Wimpern (Trichiasis) auf der Hornhautoberfläche. Die Beschädigung der Hornhaut zieht eine zunehmende Hornhauttrübung nach sich und kann letztendlich Blindheit bedeuten. Nicht verwechselt werden sollte es mit einem ähnlichen Erreger, Chlamydium oculogenitalis, der durch intimen Kontakt und im Schwimmbad übertragen werden kann und nicht zur Blindheit führt.

Lidunterseite des Oberlides mit weisslichen Strängen, der beginnenden Vernarbung. (Bild aus dem Gießener ophthalmologischen Bildatlas)

Das Trachom ist mit ca. 500 Millionen Betroffenen eine der häufigsten Augenerkrankungen und vermeidbaren Erblindungsursachen weltweit. 6 Millionen Menschen sind daran erblindet. Kinder bilden das Hauptgruppe. In Gebieten mit weiter Verbreitung sind häufig 99% der Bevölkerung betroffen. Die Erkrankung findet sich vor allem in Gegenden mit trockenheißem Klima und ist an Armut, hohe Bevölkerungsdichte und Wasserknappheit gebunden. Die Vorbeugung besteht aus sauberem Wasser und Hygiene vor allem des Gesichtes. Die Therapie ist in den Anfängen eine preiswerte antibiotische Augensalbe und bei fortgeschrittenen Stadien die operative Sanierung der Lidfehlstellung und im Endstadium eine Hornhautverpflanzung zum Ersatz der porzellanartig weiss verfärbten und trüben Hornhaut.

Die Flussblindheit:

Die "Flussblindheit", mit dem Fachausdruck Onchozerkose, ist in 34 Ländern der tropischen Regionen Afrikas verbreitet sowie im Jemen. In Amerika sind insbesondere Brasilien und Venezuela betroffen. Sie ist eine die Augen bis zur Blindheit gefährdende allgemeine Infektionskrankheit, die durch Parasiten hervorgerufen wird, die durch den Stich einer infizierten Kriebelmücke übertragen werden. Die Kriebelmücke lebt vor allem in der Nähe schnell fließender Gewässer, so entstand die Bezeichnung Flussblindheit.

Es gibt weltweit 2000 Arten der Kriebelmücke, in Deutschland aber nur ca. 50. Es sind sehr kleine Mücken zwischen 2 und 6 mm. Nur wenige Arten können die Onchozerkose übertragen und als eine der Folgen Blindheit hervor rufen (Bild entnommen aus Naturspaziergang.de

Bedeutung: 100 Millionen Menschen sind akut bedroht und bis zu 20 Millionen Menschen sind Schätzungen zufolge weltweit an Flussblindheit erkrankt; 800.000 sind sehbehindert und einige Hunderttausend erblinden als Folge der Infektion. In der Vergangenheit führte die Angst vor der Flussblindheit dazu, dass viele Menschen die fruchtbaren Flusstäler der afrikanischen Savanne verließen.

Der Parasit ist ein Fadenwurm (Filarie) und hat den komplizierten Namen "Onchocerca volvulus", daher auch der Name Onchozerkose. Das erste Larvenstadium, sozusagen die "Wurmbabys" (Mikrofilarien) werden zunächst durch einen Stich eines infizierten menschlichen Wirts aus seinem Blut von der Kriebelmücke aufgenommen. Bei einem erneuten Biss wird die inzwischen gereife Larve (2. Stadium) ins Blut des nächsten Wirtes übertragen. Dort dringen die Larven in das Unterhautgewebe, führen dort zu Reizzuständen, reifen sechs bis zwölf Monate und können schließlich als zusammengerollte Würmer (Makrofilarien) bis zu 15 Jahre im menschlichen Körper in knotigen bis zu 1cm große Veränderungen unter der Haut (Onchozerkome) leben. Im erwachsenen Stadium paaren sich die Würmer und produzieren Mikrofilarien (bis zu 1500 pro Tag), die sich dann wieder im Körper verteilen. Sie wandern durch das menschliche Gewebe, insbesondere Bindegewebe, Haut, Lymphbahnen und Blut. Im ungünstigen Fall erreichen sie bei ihrer Wanderschaft auch die verschiedenen Abschnitte der Augen. Den meisten Schaden im Körper richten die Mikrofilarien an. Sie üben einen starken Reiz auf das körpereigene Abwehrsystem aus, es werden Abwehrzellen angelockt und es entstehen die schädlichen Entzündungen. Als Mikrofilarie bezeichnet man nur das erste Larvenstadium von Filarien in der Unterhaut und im Blut, über das sie im Körper verteilt werden. Absterbende Mikrofilarien setzen in der Unterhaut das Wolbachia Bakterium frei. Auch dadurch werden intensive Entzündungsreaktionen der Haut (Dermatitis) hervorgerufen. Der ausgewachsene Wurm wird als Makrofilarie bezeichnet wird. Die Mikrofilarien sind 0,3mm groß, bei den Makrofilarien werden die Männchen 19–42 mm lang und die Weibchen erschreckende 33–50 cm ! Letztere sind diejenigen, die in den Onchozerkomen zusammengerollt leben und von den im Körper umherwandernden Männchen befruchtet werden. Die Weibchen tragen dann die Wurmlarven in den Onchozerkomen aus, von wo die entstehenden Mikrofilarien sich wieder im Körper verbreiten.

Die Komplikationen treten bei der Flussblindheit vor allem dadurch auf, dass sich die Krankheit erst ungefähr ein halbes Jahr nach der Infektion und Verbreitung der Parasiten im Körper bemerkbar macht und zu den typischen Symptomen führt und bis dahin bei Beschwerdefreiheit natürlich keine Therapie begonnen wird. Es kommt in der Regel zu einer Schwellung der Lymphknoten in der Leistenregion und zu einem Hautausschlag. Der Hautausschlag ist oft mit einem starken Juckreiz verbunden und fühlt sich sehr unangenehm an. Der Alltag des Patienten wird dadurch eingeschränkt. Der Betroffene leidet daran und an den zahlreichen Knoten, welche sich an unterschiedlichen Stellen des Körpers absetzen. Die betroffenen Stellen trocknen dabei aus und jucken. In der Regel kommt es durch die Knoten zu einem starken Schamgefühl. Die Haut verdickt sich (Elefantenhaut) und wird fleckig (Leopardenhaut). Zu Augenkomplikationen kann es im weiteren Verlauf kommen, wenn die Würmer in das Auge eindringen und dort die unterschiedlichsten entzündungsbedingten Schäden anrichten. Zunächst kommt es zur Bindehautentzündung mit juckenden brennenden Augen. Der Sehnerv kann sich entzünden und absterben (Optikusatrophie). Es kann zusätzlich zu einem Grünen Star, starken Schmerzen und zu Trübungen der Linse (Grauer Star) und Hornhauttrübungen durch Vernarbung kommen. Weiterhin ist eine Aderhautentzündung im Auge in Form einer Uveitis anterior und Chorioretinitis mit Schädigung der Netzhaut möglich. Im schlimmsten Falle kommt es zur kompletten Erblindung. Falls die Flussblindheit nicht behandelt wird, kommt es zusätzlich zu einer schwerwiegenden Schädigung des Immunsystems und der Patient wird anfälliger für unterschiedliche Immunerkrankungen und hat im Mittel eine um 13 Jahre reduzierte Lebenserwartung.

Die Diagnose erfolgt beim Tropenmediziner oder Hautarzt durch Untersuchung der Haut, Blutproben und Untersuchung von entnommenen Hautknoten unter dem Mikroskop. Weiterhin beim Augenarzt mit der Spaltlampe, ob womöglich schon Mikrofilarien oder andere typische Veränderungen im Auge sind.

Die preiswerte Behandlung der Flussblindheit erfolgt in der Regel mit Hilfe von Medikamenten und führt in den meisten Fällen zu einem positiven Krankheitsverlauf. Sollten sich die Würmer in der Nähe der Augen befinden, so ist ein operativer Eingriff notwendig. Für die Vorbeugung wird zunächst mit von Hubschraubern versprühtes Gift gegen die Kriebelmücken gearbeitet. Angesichts eines Ausbreitungsgebietes von 100 Millionen Quadratkilometern klappt dies aber nur begrenzt. Daher liegt der Schwerpunkt auf der Kontrolle der Mikrofilarien im menschlichen Wirt, denn gegen die erwachsenen Würmer gibt es keine verträgliche Behandlung. Für die Behandlung der Flussblindheit im Menschen, wird hauptsächlich Ivermectin (z.B. Mectizan®) eingesetzt. Nachdem die Entwicklungsländer sich das Medikament nicht leisten konnten, wird es kostenlos von der Firma Merck in Zusammenarbeit mit der WHO an bedürftige Patienten abgegeben. Eine schöne Geste, die den Aktionären der Firma allerdings gar nicht gefiel und zu einem Prozeß führte. Das Medikament lähmt und tötet die Mikrofilarien, verringert dadurch einerseits den intensiven Juckreiz und stoppt gleichzeitig das Fortschreiten der Flussblindheit, auch indem es zusätzlich durch Lähmung der parasitären Fortpflanzungsorgane der Makrofilarien (sie werden leider nicht abgetötet) die weitere Produktion von Mikrofilarien für mehrere Monate unterbindet und reduziert so die Übertragungsrate der Flussblindheit auf die Kriebelmücke und dann auf weitere Menschen. Infizierte Menschen können mit zwei, im Abstand von 6 Monaten verabreichten, Dosen Ivermectin behandelt werden. Danach muss 3 Jahre lang jährlich eine Einzeldosis Ivermectin eingenommen werden, um die Wirksamkeit aufrecht zu erhalten. Für die beste Wirkung empfiehlt die WHO die Behandlung ganzer Gemeinden zur gleichen Zeit. So konnte auch ein starkes Zurückdrängen der Verbreitung erreicht werden und 18 Millionen Kinder konnten in onchozerkosefreier Umgebung geboren werden.

Die Vitamin-A-Mangel-Krankheit:

Die Vitamin-A-Mangel-Krankheit (Xerophthalmie) ist besonders in Entwicklungsländern verbreitet. Grund ist hier eine Mangelernährung, die über den Vitaminmangel zu Augenschäden führen kann, die wiederum in eine Erblindung münden können. Der Vitamin-A-Mangel ist der weltweit häufigste Vitaminmangel und der häufigste Grund für Erblindung im Kindesalter in Entwicklungsländern.

12-jähriges Mädchen, erblindet wegen Vitamin-A-Mangel (Foto: Community Eye Health)

In Deutschland und anderen Industrieländern ist die Vitamin-A-Versorgung generell gut. Risikogruppen für einen Vitamin-A-Mangel bei uns sind allenfalls Frühgeborene, infektanfällige Kinder, Schwangere und Stillende, Menschen über 65 Jahren sowie Personen mit unzureichender, vorwiegend pflanzlicher Ernährungsweise, denn das fettlösliche Vitamin A kommt bevorzugt in tierischen Lebensmitteln vor. In pflanzlicher Nahrung finden sich Vorstufen (Carotinoide), die im Körper erst in das aktive Vitamin A umgewandelt werden. Andere Gründe neben der Mangelernährung sind erschwerte Aufnahme (z.B. aufgrund von Magen-Darm-Erkrankungen) und schlechte Speicherfähigkeit (z.B. bei Alkoholmissbrauch) bzw. erhöhter Bedarf, der nicht gedeckt wird (z.B. in der Schwangerschaft). Vitamin A spielt unter anderem eine große Rolle beim Sehvorgang. Es ist vor allem für das Dämmerungs- und Nachtsehen notwendig. Menschen mit einem Mangel bekommen deswegen oft als erstes Probleme mit dem Sehen im Dämmerlicht (Nachtblindheit). Weitere mögliche Symptome eines Vitamin-A-Mangels sind eine verdickte, trockene Bindehaut (deswegen auch Xerophtalmie = Augentrockenheit). In der Folge können Hornhautgeschwüre mit Vernarbung und unter Umständen mit Einschmelzung der Hornhaut und dadurch letztendlich Blindheit entstehen. Weiterhin Verhornung der Haut und Schleimhäute im Bereich der Atemwege, des Verdauungs- und Harntraktes, geschwächtes Immunsystem und bei Kindern Wachstumsstörungen. Zu Beheben ist der Mangel leicht durch verbesserte Ernährung und Vitamin-A-Tabletten. Im Rahmen des Aktionsprogramms "Vision 2020" hatte sich in Uganda und Tansania z.B. deutlich gezeigt, wie erfolgreich Prophylaxe sein kann.

(Stand 22.08.2021)