Künstliche Lidfalten bei Asiaten:

Wer wenig Asiaten zu seinem Bekanntenkreis zählt, glaubt häufig, alle Asiaten hätten keine Oberlidfalte und das wäre der entscheidende Unterschied zum “europäischen” Oberlid. Dies stimmt so jedoch nicht. Ca. 50% aller Asiaten haben eine Lidfalte. Diese sitzt dann jedoch tiefer und verläuft anders. Die “asiatische Lidfalte” setzt häufig am zur Nase gelegenen Lidwinkel an und formt den “Epikanthus”, der im Volksmund auch “Mongolenfalte” (s. Bild unten) genannt wird. Anschließend verläuft sie parallel oder seitlich ansteigend im Verhältnis zur Lidkante.

Das heißt, der größte Abstand zur Lidkante ist nie in der Mitte - wie beim “europäischen” Lid - das eher sichelförmig oder halbmondförmig ist (siehe Bild unten).

Nicht selten ist die asiatische Lidfalte auch inkomplett. Hier gibt es große ethnische Unterschiede zwischen Chinesen, Japanern, Koreanern und Filipinos z.B., sowie unterschiedliche Ausprägungen in den einzelnen Volksgruppen. Ursache ist ein völlig anderer Aufbau des Lides u.a. mit Fettdepots an Stellen, an denen beim ”europäischen” Lid keine vorkommen.

Das Oberlid ohne Falte wird im asiatischen Raum als “Einzelnes Lid“ bezeichnet. Das sogenannte “Doppelte Lid“ (mit Falte) macht dagegen ein größeres Auge, der Besitzer wirkt freundlicher und wacher und bei Frauen ermöglicht es ein besseres Schminken.

Chinesisch

Chinesisch: “Doppeltes Augenlid”

Japanisch

Japanisch: Einfaches Augenlid (links) bzw. Doppeltes Augenlid (rechts)

Dies sind auch die Gründe für den häufigen Wunsch der Asiaten nach einer höher gelegenen oder überhaupt vorhandenen Lidfalte. Dabei geht es nicht so sehr um eine “Verwestlichung” wie oft hier vermutet, sondern es steht mehr ein gewisses Schönheitsideal dahinter, vergleichbar mit dem bei uns durch “Hollywoodformen” angeregten Wunsch nach einem üppigeren Busen. Wird solch eine Operation von einem Asiaten gewünscht, müssen die Erwartungen und Möglichkeiten genau besprochen werden. Die Operationen müssen individuell für den einzelnen Patienten angepaßt werden. In der Regel NICHT gewünscht wird ein typisch europäisches Lid mit einem halb- mondförmigen Verlauf der Lidfalte im Verhältnis zur Lidkante. Dies sieht im eher flachen Gesicht der Asiaten deplaziert aus und wird auch nicht als schön angesehen. In der Regel geht es um die Lokalisationsveränderung oder Schaffung einer Oberlidfalte. Dies ist technisch möglich. Die Entfernung eines “Epikanthus” (s.o.) führt jedoch häufig zu starker Narbenbildung und ist nicht empfehlenswert.

Wie operiert man so etwas ?

Unter Vernachlässigung der zahlreichen Varianten wird im wesentlichen die vor allem in Asien beliebte Nahttechnik und die vor allem im Westen praktizierte chirurgische Schnittechnik unterschieden. Die Nahttechnik ist in erster Linie für junge Patienten mit straffer Haut und kaum vorhandenem Fett im Lidbereich geeignet. Hierbei wird von der Lidinnenseite eine Nahtverbindung mit der Haut geschaffen. Die Naht löst sich mit der Zeit und eine Narbe hält die Lidfalte aufrecht. Vorteile sind die relativ gering invasive Technik und die geringeren postoperativen Schwellungen. Hauptnachteil ist die größere Tendenz zum Verschwinden der Lidfalte. Die Schnittechnik erfolgt von aussen und ist für fülligere Lider und bei Altersveränderungen geeignet. Entlang der zukünftigen Falte wird ein Schnitt geführt, darunter überflüssiges Gewebe (Fett, Muskel) entfernt und die Haut dann mit den lidhebenden Strukturen verbunden. Die Hautfäden werden nach 5-7 Tagen gezogen, die faltenbildenden Nähte je nach Ausbildung der Falte evtl. später. Nach der Operation kommt es für mindestens 4 Monate zu Schwellungen, die Narbe kann noch sehr auffällig sein und frühestens nach 6 Monaten wird der Endzustand erreicht. Bis dahin liegt eine variable und auch asymmetrische Lidfaltenhöhe und meist eine deutlich höher gelegene Lidfalte vor.

Bei 5% der Patienten besteht die Notwendigkeit einer Nachbearbeitung der Lidfalte wegen fehlender Gleichmäßigkeit (bei guten Operateuren). U.a. sind folgende Komplikationen möglich: Unzufriedenheit mit dem optischen Ergebnis, Über- und Unterkorrektur mit Lidkantenvorwölbung (Ektropium) oder Lidschlußproblemen, Asymmetrie, Wiederauflösen der Falten, zuviel Fettentfernung und dadurch “hohle Augen“, postoperative Blutergüsse und zu starke Ödeme (Wassereinlagerungen) lassen die Nähte ausreissen, durch die Bindehaut reichende Knoten (bei der Nahttechnik) führen zu Hornhautverletzungen, Infektionen der Nähte,Übersehen und Nichtkorrektur von begleitender Ptosis (tieferer Lidkantenstand, der danach noch auffälliger wird), Hervorrufen einer Ptosis durch Durchtrennen der Aufhängestrukturen des Lides. Einem gutem Operateur sollte das zwar nicht passieren, zeigt aber, daß solche Operationen eben Operationen bleiben und entsprechende Risiken haben. Es handelt sich hier nicht um modisches “Feintuning” das man mal so eben durchführen lässt.

(Stand 10.06.2018)