Sehtest:

Was ist der Sehtest ?

Beim sogenannten Sehtest wird die Sehschärfe mittels Sehtafeln überprüft. Man muß entweder in die Ferne (aus praktischen Gründen in 5-6m Entfernung) oder im Leseabstand (ca. 33cm) Zahlen oder Zeichen erkennen. Geprüft wird dies bei einer mittleren Beleuchtung und das Ergebnis zeigt, ob man ohne Brille eine normale Sehschärfe erreicht. Falls dies nicht gelingt, liegt in der Regel ein Sehfehler vor und man versucht - nach der Bestimmung des Sehfehlers - mit der Anpassung von Brillen oder Kontaktlinsen eine normale Sehschärfe zu erreichen. Gelingt auch dies nicht, besteht in der Regel irgendeine Erkrankung oder eine angeborene Schwäche (Amblyopie) des Auges. Dies wird im Rahmen der weiteren augenärztlichen Untersuchung überprüft und ggf. behandelt.

Besser Sehen mit Brille

Was ist die Sehschärfe ?

Die Sehschärfe ist die maximale Fähigkeit des Netzhautzentrums (Fovea) zwei Punkte oder Striche mit hohem Kontrastunterschied (schwarz zu weiß) trotz geringstem Abstand noch getrennt zu erkennen oder praxisnäher, ein schwarzes Zeichen auf weißem Hintergrund von einem anderen zu unterscheiden. Da hier nur die hochleistungsfähige Mitte der Netzhaut überprüft wird, spricht man auch von zentraler Sehschärfe. Verwendet werden hier sogenannte Sehtafeln auf denen Zahlen, E- Haken oder die für genaue Prüfungen (z.B. Führerscheinsehtest) vorgeschriebenen Landoltringe abgebildet sind (siehe Bilder unten).

Sehtafel mit Zahlen

Oben normale Sehtafel mit Zahlen und unten Sehtafel mit E-Haken und Landoltringen, bei denen man immer angeben muß wo die Öffnung des Kreises liegt.

Sehtafeln mit E-Haken und Landoltringen

Je kleiner das erkannte Zeichen, desto besser die Sehschärfe bzw. der Visus wie er auch genannt wird. 1,0 entspricht dabei vereinfacht 100% und somit dem sogenannten normalen vollen Sehvermögen und 0,5 z.B. ist halt nur 50% Sehvermögen. 100 Prozent bedeuten allerdings nicht, dass es sich dabei um die maximal mögliche Sehschärfe handelt. Bei jungen Menschen gelten deutlich höhere Werte als normal. 125% wird beim jungen Menschen und fehlendem Sehfehler immer erreicht und bis zu 200 Prozent (2,0) sind möglich aber extrem selten. Beim älteren Menschen wird trotz fehlendem Sehfehler nur selten 1,0 erreicht.

Die Sache wird noch komplizierter, da man die sogenannte Tagessehschärfe von der Fähigkeit in der Dämmerung zu sehen (Dämmerungssehschärfe) und vom Sehen bei Dunkelheit unterscheiden muß. Durch Anpassungsvorgänge des Auges auf den geringen Lichteinfall werden die Gegenstände in der Dämmerung unschärfer und grauer bis man schließlich im Dunkeln nur noch Grautöne und keine Farben mehr erkennen kann. Die Sehschärfe fällt in der Dämmerung auf ungefähr die Hälfte (0,5) und in der Dunkelheit auf 10% (0,1) der Tagessehschärfe ab. (Vergleiche auch Anforderungen im Strassenverkehr). Beim normalen Sehtest wird jedoch nur die Tagessehschärfe überprüft. Was dabei auch nicht überprüft wird, ist das Kontrastsehen, daß heißt die Fähigkeit nur gering unterschiedliche Grautöne zu unterscheiden. Dies ist z.B. beim Fahren im Nebel sehr wichtig und so kann beim Grauen Star die Fahrtüchtigkeit schon stark einschränkt sein obwohl die (Tages-)Sehschärfe noch gut ist. Bei Neugeborenen und Kleinkindern ist noch keine volle Sehschärfe vorhanden und muß sich noch entwickeln. Erst mit ca. 10 Jahren ist hier die volle Leistungsfähigkeit erreicht. Dies bedeutet nicht, daß das Auge diese Auflösung bis dahin nicht leistet, sondern das Sehzentrum verbessert seine Leistungsfähigkeit bis dahin noch (s.a. Sehvorgang).

Unterschieden werden muss auch die Sehschärfe des einzelnen Auges von der beim beidäugigen Sehen (binokulare Sehschärfe). Die Informationen beider Augen werden nämlich im Gehirn zusammen ausgewertet, so dass zwei gleich gute Augen, zusammen noch etwas mehr sehen. Liegt Schielen vor, das heißt die Augen schauen nicht genau gleich auf den gleichen Gegenstand, gibt es kein binokulares Sehen. Ist ein Auge deutlich schlechter, fällt dies häufig erst bei einem Sehtest der einzelnen Augen auf, da das Gehirn im Rahmen des Sehvorgangs, sich das beste Bild herausgesucht hat. Dem Patienten ist oft Jahre nicht bewusst, dass ein Auge deutlich schlechter ist, bis dies beim Augenarzt auffällt oder er sich bei der spannenden Szene im Krimi das juckende gute Auge reibt, nichts richtiges sieht und entsetzt als "Notfall" in der Klinik auftaucht. So funktioniert das aber hauptsächlich wenn das "führende Auge" das gute Auge ist, da das nicht führende Auge leichter ausgeblendet wird. Ist das führende Auge beschädigt, kann dies mehr stören und das "gute Bild" des anderen Auges das Gesamtbild beider Augen eher verschlechtern. Das "führende Auge" ist wie bei der Rechts- oder Linkshändigkeit, das hauptverwendete Auge. Es gibt also auch "Rechts- und Linksäugigkeit".

Was versteht man unter Sehvermögen ?

Unter dem Sehvermögen versteht man die Gesamtleistung des Sehorgans, also des Auges und der zugehörigen Zentren im Gehirn. Dies beinhaltet nicht nur die zentrale Sehschärfe (s.o.) - die man vom Sehtest her gewohnt ist - sondern auch das Sehen bei Dämmerung und im Dunkeln, das Gesichtsfeld, die Zusammenarbeit der Augen (beim Schielen gestört), das Farbensehen, das Kontrastsehen und das räumliche Sehen bzw. 3D-Sehen. Weiterhin gehört bei verwirrenden Seheindrücken auch noch die Fähigkeit dazu, Dinge (wieder) zu erkennen, d.h. im Sehzentrum dem Ganzen einen Namen geben zu können und es einordnen zu können. All diese Teilleistungen können gestört sein und das Sehvermögen behindern. Was nützt mir z.B. 100% Sehschärfe, wenn ich aufgrund eines Schlaganfalls, die Gegenstände nicht wiedererkennen bzw. benennen kann ? Vergleiche auch Sehvermögen unter Autofahren und Augenleistungsfähigkeit bzw siehe unter Der Sehvorgang.. Ein gutes Sehvermögen bedeutet nicht nur Selbständigkeit und Lebensqualität, sondern ermöglicht auch ausreichende Informationsaufnahme aus der Umwelt, um sich in der Jugend geistig weiter zu entwickeln und im Alter bei möglicherweise beginnender Demenz, den Abbauprozeß durch Anregung zu verlangsamen. Weiterhin ist es natürlich wichtig für die Orientierung im Raum und die Trittsicherheit. Im höheren Alter nimmt die Sturzgefahr mit abnehmendem Sehvermögen stark zu. Interessanterweise nimmt die Sturzgefahr auch überproportional zu, wenn das Sehvermögen subjektiv als schlecht empfunden wird, obwohl es bei anderen selbstbewussteren Menschen mit gleichem Sehvermögen noch gar kein Problem darstellt.

Was ist denn das Augenlicht ?

Das Augenlicht ist ein altmodischer Begriff für das Sehvermögen bzw. die Sehfähigkeit als Gesamtheit der Leistungen des Sehsystems. Er kommt daher, daß man früher glaubte, die Augen würden den Blick, wie Strahlen aussenden um die Umgebung zu "erleuchten" und zu erfassen. Der Verlust des Augenlichtes” entsprach der Erblindung.

Sehtest im Internet

Aufwendiger Bildschirmsehtest

Eher humorvoll als ernst gemeint ist dieser Test

(Stand 18.04.2021)