Kosmetische Therapie im Augenbereich:

Wer möchte nicht solche Augen haben, wie die Dame auf dem folgenden Bild. Vielen geht es jedoch so, daß sie von vornherein nicht so aussehen, bzw. selbst wenn sie mal so aussahen, das zunehmende Alter und zahlreiche Umwelteinflüsse im Gesicht ihre Spuren hinterlassen. Der coronabedingte "Zoom-Boom" (ständige virtuelle Treffen über Zoom) und der "Selfie-Boom" in den sozialen Medien, hat weiterhin dazu geführt, daß Vielen scheinbare Mankos ihres Aussehens auffallen und die Nachfrage nach chirurgischer kosmetischer Korrektur im Gesichtsbereich massiv zugenommen hat.

Schau mir in die Augen Kleines

Um "Schwachpunkte" zu verstecken, aufzuhalten oder zu verändern werden in Deutschland pro Jahr eine Milliarde Euro für Kosmetikprodukte ausgegeben. Nicht alles davon hat die versprochenen Effekte und ein faires Preis-/Leistungsverhältnis. Im Zweifelsfall sollten Sie die Wirksamkeit mit Ihrem Hautarzt besprechen.

Reichen Schminke und Kosmetikprodukte nicht mehr aus, um die Spuren der Zeit zu tilgen oder wenigstens zu verstecken, kommen intensivere Verfahren wie chemisches Abschälen der Haut (Säurepeelings), Unterspritzungen, Laser und Operationen zum Einsatz. Auch hier sind Möglichkeiten und Grenzen zu bedenken. Selbst wenn manche Hollywood-Stars dies vermuten lassen, kann die Zeit nicht ohne Einschränkung oder Nebenwirkungen rückgängig gemacht werden. Ein abschreckendes Beispiel für übertriebene kosmetisch-chirurgische Aktivitäten war Michael Jackson. Bei sinnvollem Einsatz der Methoden ist heute jedoch einiges möglich. Je nach Gesichtsregion sollten Sie sich von einem operativ erfahrenen Augenarzt, Dermatologen oder plastischen Chirurgen beraten lassen.

Wie kann ich vorbeugen ?

Zu allererst gute Hautpflege. Das heißt immer nach Entfernen der oberflächlichen Fettschutzschicht auf der Haut (durch Wasser, alkoholische Reinigungslösungen etc.) wieder eincremen. Besondere Pflege vor und nach Belastungen wie Wind und Kälte (Fettcremes) oder Sonne und UV-Bestrahlung (Sonnenschutzcreme oder gar UV-Blocker) je nach Hauttyp. Leider schädigen die UV-Strahlen die elastischen Fasern (Kollagen) in der Haut und führen zu vorzeitiger Alterung. Vergleichen Sie mal einen 40-jährigen “Sonnenfreak” und regelmäßigen Sonnenbankbenutzer mit einem “Stubenhocker”. Da die Lidhaut besonders dünn ist, gilt dies alles hier um so mehr. Allein schon aus diesem Grund ist das Tragen einer Sonnenbrille zu empfehlen. Schädigend (“ausleiernd”) wirken auch häufig geschwollene Lider. Soweit hier überhaupt entgegengewirkt werden kann, sollte man dies tun (s.Lidschwellungen/ Augenringe). Gerade im Winter leidet die Lidhaut durch die Kälte draussen und die trocken Heizungsluft drinnen besonders. Lidekzeme nehmen zu. Für die Lider müssen allerdings spezielle Cremes verwendet werden, die die Augen selber nicht belasten (augenneutraler pH-Wert, hypoallergen und ohne die bei Hautcremes üblichen spreitenden Substanzen, die zum Fliessen der Creme in die Augen führen).

Was kann man tun wenn die Falten schon da sind ?

Angewendet werden für feinere Fältchen chemische Peelings oder “Laser-Hauterneuerung” (Skin-Resurfacing) mit dem Erbium-YAG-Laser. Für etwas stärkere Falten Botulinustoxinspritzen und Faltenunterspritzungen. Für gröbere Falten dann operative Verfahren von der Oberlidstraffung und Unterlidstraffung bis zum kompletten Facelift. Je nach betroffener Region und Ausprägung der Altersveränderungen ist mal die eine und mal die andere Methode geeignet. Alle diese Verfahren sind nicht ganz risikolos und in den Ergebnissen um so besser, je geschickter und erfahrener der Chirurg darin ist.

Was ist mit anderen Veränderungen wie Alterswarzen, Einlagerungen in die Lidhaut, umklappenden Lidern, Tränensäcken, Liderschlaffungen etc. ?

Diese gehören in die Hand eines erfahrenen Augen- oder je nach Gesichtsregion auch Hautchirurgen und werden unter Lidoperationen besprochen.

Welche Möglichkeiten der operativen Veränderung aus rein kosmetischen Gründen gibt es ?

Beim jungen Menschen, der mit seiner Lidform nicht zufrieden ist, kann man operativ vorgehen, sollte sich dies jedoch genau überlegen. Solche Eingriffe sind nicht rückgängig zu machen und verändern deutlich, da die Augenpartie den optischen Eindruck des Gesichtes stark prägt. Bei junger Haut besteht auch die Möglichkeit, daß feinere Narben sichtbar bleiben. Letzteres bedeutet, daß massivere Veränderungen - wie die Schaffung eines “Katzenauges” (seitlich hoch gezogener Lidwinkel) z.B. bei an sich waagerechter Augenformzwar theoretisch denkbar aber optisch nicht akzeptabel sind. Wo übertriebener Aktionismus auf diesem Gebiet hinführt, sah man z.B. an Michael Jackson. Weiterhin gilt für alle kosmetisch operativen Eingriffe, daß die Beweggründe genau hinterfragt werden sollten. Ein Bedürfnis nach Operation darf nicht aus rein modischen Gründen - denn diese wechseln - oder aus partnerschaftlichen Gründen - auch diese können wechseln - oder gar aus der Hoffnung heraus, dadurch beruflich oder privat irgendetwas erreichen zu können, entstehen. Eine Veränderung des eigenen Körpers sollte ein ganz persönliches Bedürfnis und wohl überlegt - da irreversibel - sein. Häufig im lidchirurgischen Bereich umgesetzt wird die Korrektur von Schlupflidern. Diese erfolgt technisch genauso wie die der Lidhauterschlaffung. Eine weitere im asiatischen Raum sehr häufig durchgeführte kosmetische Operation beim jungen Patienten ist die Schaffung einer künstlichen Lidfalte bei asiatischen Lidern.

Kann man die Wimpern vermehren ?

Bestimmte Augentropfen gegen den Grünen Star (z.B. Lumigan®) haben eine interessante Nebenwirkung: Sie lassen die Wimpern wachsen ! Mehr noch, sie werden auch dunkler und dicker. In den USA wurde ein entsprechendes Medikament (Latisse®) das den gleichen Inhaltsstoff (Bimatoprost, ein sogenanntes Prostaglandin) enthält, zur Förderung des Wimpernwachstums zugelassen. Es ist verschreibungspflichtig und wird mittels einer kleinen Bürste auf die Wimpernansätze vor allem der Oberlider aufgebracht. So sollen die Nebenwirkungen der Augentropfen vermindert werden. Diese sind: Gerötete Augen (3,6 %), Augenjucken (3,6 %) und dunkle Hautflecken (Haut-Hyperpigmentierungen ->2,9 %). Bei gemischtfarbiger Iris (grün-hellbraun) kann es zum Dunklerwerden der Iris kommen (siehe auch unter Augenfarbe). Auf dem Bild unten bekam eine ältere Patientin 3,5 Monate Bimatoprost wegen einer einseitigen Erkrankung am grünen Star. Man erkennt bei der ungeschminkten Patientin deutlich das verstärkte Wachstum aber auch die verstärkte Pigmentierung in der Haut am behandelten Auge. So sind die Wimpern zwar kräftiger und vermehrt aber leichte Augenringe sind entstanden. Letzteres kann man dadurch verhindern, daß man vor der Anwendung die Lider leicht einfettet, damit die Tropfen nicht in die Haut eindringen können und nicht nach Anwendung der Tropfen reibt. Die Wimpern bleiben übrigens nach Absetzen des Medikamentes leider nicht so, sondern entwickeln sich langsam (Monate) wieder zurück. Inzwischen gibt es zahlreiche Wimpernseren, die sogenannte Prostaglandin-Analoga (Stoffe, die wie Prostaglandine wirken) enthalten, die das Wimpernwachstum über Prostaglandin-Rezeptoren der Haarfollikel anregen. Die Nebenwirkungen sind aber die gleichen.

3,5 Monate Bimatoprost einseitig

Fehlen die Wimpern ganz, besteht die Möglichkeit der Haartransplantation, indem man aus dem Kopfhaar im Nackenbereich ein kleines Stück der Haut entnimmt und an der Lidkante einpflanzt. Diese Haare müssen jedoch regelmäßig geschnitten werden und es ist auch optisch schon ein gewisser Kompromiß, da die Nackenhaare nicht die Form und Steifigkeit der Wimpern haben.

Welche Probleme können Kosmetika mit sich bringen ?

Eyeliner können verunreinigt sein. Gerade beim Lidstrich an der inneren Lidkante kommen die Inhaltsstoffe des Eyeliners in direkten Kontakt mit der Augenoberfläche. Studien zeigen, dass es bei der Eyeliner-Applikation häufig zu bakteriellen Entzündungen der Augenoberfläche kommt. Der Hintergrund ist, dass viele Kosmetika, durch ölreiche Formulierung oder unzureichende Konservierung, ein hohes Risiko für die Verunreinigung durch Bakterien und Pilze in sich bergen. So machte eine Untersuchung ersichtlich, dass nach nur 3-monatiger Verwendung eines Mascaraproduktes 36,4 % der Behältnisse Bakterien enthielten.

Allergische Reaktionen sind möglich (verl. die Seite über Allergien und Lidekzeme), denn Kosmetika - auch die rund um das Auge - sind häufig aus verschiedensten Inhaltsstoffen zusammengestellt — bis zu 30.000 verschiedene Substanzen können insgesamt in Kosmetikprodukten verarbeitet sein. Wie unüberschaubar, aber teilweise auch bedenklich die Mischung sein kann, zeigt der Blick auf Inhaltsstoffe gängiger Augenkosmetika:

  • Eyeliner: Pigmente, Wachse, Teer, mineralische und/oder pflanzliche Öle, Lanolin und Parabene. (Nebenwirkungen vergleiche u.a. die Seite über das Trockene Auge).
  • Kajal-Stifte: Blei, Schwefel, Chrom und Eisen, Mascara-Pigmente, Wachse, Harze, Nylonfasern und Parabene.
  • Lidschatten: Talkum, Lanolin, Vaseline und Kakaobutter; Pigmente wie Eisenoxid, Titandioxid, Kupfer, Aluminium, Ultramarinblau, Karmin, Chromoxid und Glimmer.
  • Anti-Aging-Wirkstoffe: Retinoide (Nebenwirkungen vergl. die Seite über das Trockene Auge)
  • Verlängerung der Wimpern: Prostaglandine (s.o.)

Das Trockene Auge (s. auf der Seite darüber) wird unter anderem durch die Schädigung der Meibomdrüsen und ihrer Sekrete gefördert.

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(Stand 18.06.2021)