Bösartige Liderkrankungen:

Auf dieser Seite wird auf die häufigsten bösartigen Tumore der Lider eingegangen. Es handelt sich um Hauttumore, die prinzipiell überall auf der Haut vorkommen können. Im Lidbereich sind sie allerdings besonders problematisch, da man sie aus kosmetischen Gründen hier nicht so einfach weiträumig herausschneiden kann. Ursache ist in der Regel zu viel UV-Strahlung, besonders in den ersten Lebensjahren, in denen die Haut noch besonders sensibel auf Schädigungen anspricht. Die Folge kommt aber erst mit zunehmendem Alter zum Tragen.

Tumore auf der Schleimhaut werden unter den Bindehauterkrankungen abgehandelt und die im Auge gelegenen, werden unter Tumore im Auge besprochen.

Was ist das Basaliom ?

Das Basaliom ist der häufigste bösartige Lidtumor. 91% aller bösartigen Lidtumore sind Basaliome. Es entsteht durch eine Schädigung und spätere bösartige Entartung bestimmter Hautzellen. In der Regel bildet es sich in Partien des Gesichts, die empfindlicher sind (dünne Lidhaut z.B.) und im Laufe des Lebens besonders der UV-Strahlung ausgesetzt waren. Dies betrifft vor allem die Unterlider und den nasenwärts gelegenen Lidwinkel. Es macht keine Tochtergeschwülste (Metastasen) im Körper, sondern wächst langsam unter Zerstörung der gesunden Strukturen immer mehr in die Tiefe, ist aber ansonsten von den Hauttumoren im Lidbereich noch der vergleichsweise harmloseste. Es muß auch unbedingt vollständig entfernt werden, obwohl dies bei großen Tumoren nicht immer ein optimales kosmetisches Endergebnis ergibt. Daher ist eine Entfernung, wenn es noch relativ klein ist am Besten. Aufgabe des guten Augenchirurgen ist es, alles Notwendige zu entfernen und trotzdem ein funktionell und kosmetisch gutes Resultat zu erreichen. Hierbei ist es insofern für den Patienten besonders so wichtig, so früh wie irgend möglich zum Augenarzt zu gehen, da die unauffällige Entfernung bei größeren Veränderungen schwieriger wird. Leider wird es von vielen Patienten lange für einen harmlosen "Pickel" gehalten.

Wie erkenne ich ein Basaliom ?

Unterlidbasaliom

Oben sieht man mitten auf dem Unterlid eine rundliche Hautverdickung mit einer zentralen Delle und dort einer kleinen Kruste. Wenn so eine Veränderung erst seit kurzem besteht, kann dies auch mal eine Entzündung in der Haut sein, die schlecht verheilt. Wächst es über Monate und Jahre langsam, hat der verdickte Bereich viele kleine Blutgefäße und bildet im Zentrum immer wieder Krusten oder blutet, ist dies hochverdächtig auf ein Basaliom. Dann sollte man es unbedingt vom Haut- oder Augenarzt kontrollieren, ggf. entfernen und unter dem Mikroskop (Histologie) überprüfen lassen. In obigem Fall geht das kosmetisch noch ganz unproblematisch, da man die Lidkante intakt lassen kann.

Basaliom

Schwieriger wird es schon bei Befunden wie diesem, wo die Lidkante betroffen ist. Hier konnte durch Entfernung von einem halben Zentimeter Lid und anschließender Naht ein kosmetisch schönes und unauffälliges Ergebnis erzielt werden. Ist der Tumor deutlich größer zum Zeitpunkt der Operation, gelingt dies nicht immer so dekorativ.

Dieses Beispiel macht jedoch auch deutlich, daß man möglichst früh tätig werden muß. Leider gibt es immer wieder Beispiele wo Patienten den kleinen “Knubbel” nicht für voll genommen haben und die dann notwendige Operation nicht mehr so schöne Ergebnisse ergab. Aus Rücksicht auf den im Allgemeinen nicht abgehärteten Leser dieser Seiten bringe ich da mal keine Bildbeispiele.

Beispiele für optisch akzeptable Entfernungen sehen Sie mit dem Ausgangsbefund vor der Operation (präoperativ), im Verhältnis zum Befund nach der Operation (postoperativ) hier.

Das Fazit ist: Alle langsam wachsenden Hautverdickungen im Lidbereich, insbesondere (aber nicht nur) wenn sie auch noch Krusten bilden, sollten unbedingt frühzeitig von einem Augenarzt oder Hautarzt begutachtet werden und im Verdachtsfall von einem Lidchirurgen entfernt werden.

Was ist ein Spinaliom ?

Das Spinaliom wird auch Stachelzellkarzinom oder Plattenepithelkarzinom genannt und ist mit 3% Häufigkeit unter den bösartigen Lidtumoren der Zweithäufigste. Es beginnt meist mit einer langsam wachsenden verhornenden Oberflächenveränderung (Hyperkeratose, vergleiche Gutartige Lidtumore), die leicht blutet bei Entfernung und geht erst später in sein bösartiges Stadium über. Die einzelnen Stadien im folgenden:

  • Finden sich oberflächlich in der Haut rötliche oder bräunliche Flecken mit Verhornung und Schuppen spricht man zunächst von einer aktinischen Keratose. Siehe Bild unten. Diese ist nicht bösartig. Durch die Schädigung durch Umwelteinflüsse, ist die normale Regeneration der Haut nicht mehr möglich und sie bildet statt der dünnen normalen obersten Hornschicht der Haut mit überschiessendem Wachstum vermehrt Horn (Keratin).

  • Sind sämtliche Hautschichten betroffen spricht man ovn einem Carcinoma in situ oder einem Morbus Bowen. Dies ist aber nur durch eine Probenentnahme und Untersuchung unter dem Mikroskop (Histologie) beweisbar. Auch dies ist streng genommen kein bösartiger Befund.
  • Erst wenn auch die unterste Schicht der Haut durchbrochen wird, was sich äußerlich häufig durch ein knotiges Wachstum zeigt, spricht man vom bösartigen kutanen (in der Haut befindlichen) Plattenepithelkarzinom.

Der entscheidende Unterschied des Plattenepithelkarzinoms zum Basaliom ist die Möglichkeit (5%) der Ausbreitung im Körper (Metastasierung) und hier hauptsächlich in die örtlichen Lymphknoten. Daher muß das Spinaliom frühzeitig und auf jeden Fall komplett chirurgisch entfernt werden. Vorbeugend behandelt man auch schon die Vorstufen obwohl man nicht weiss wie schnell und ob ein Übergang in die Bösartigkeit erfolgt. Bei der aktinischen Keratose muss nicht imer gleich geschnitten werden, sondern man arbeitet meist mit Kältetherapie ("Vereisung") und Laser und beobachtet dann.

Was ist der Unterschied "Weißer" zu "Schwarzer" Hautkrebs ?

Basaliom und Plattenepithelkarzinom und einige andere sehr seltene Hautkrebsformen werden unter dem Begriff “Weißer Hautkrebs” zusammengefaßt, da sie alle nicht dunkel pigmentiert sind und um sie vom schwarzbraunen malignen Melanom (“Schwarzer Hautkrebs”) abzugrenzen. Laut einer Statistik aus 2009 in Bayern, ist der Weiße Hautkrebs, an Platz 2 der häufigsten Tumorarten, direkt nach dem Brustkrebs. Aufgrund dieses hohen Risikos haben jetzt gesetzlich Krankenversicherte ab dem 35. Lebensjahr einen Anspruch auf eine Hautkrebsvorsorge (Hautkrebs-Screening). Mehr zum “Weißen Hautkrebs” finden Sie auch auf den Seiten der “Initiative Weißer Hautkrebs”.

Wie häufig ist der Weiße Hautkrebs ?

Zwischen 2011 und 2018 stieg die Zahl der Betroffenen von rund 1,23 Millionen auf 1,66 Millionen und damit um 35 Prozent. Insbesondere bei den über 50-Jährigen stieg die Zahl der Hautkrebspatienten. Den stärksten Zuwachs gab es in der Gruppe der 80- bis 84-Jährigen – hier verdoppelte sich die Diagnose heller Hautkrebs zwischen 2011 und 2018 nahezu. Dagegen sind die Fallzahlen bei den unter 50-Jährigen rückläufig. Bei den 40- bis 44-Jährigen gingen die Diagnosen sogar fast um 30 Prozent auf 20.300 zurück. Dass heute weniger jüngere Menschen an hellem Hautkrebs erkranken, führen die Experten auch auf ein gestiegenes Gesundheitsbewusstsein mit geringerer ungeschützter Sonnenexposition zurück. Bei vielen älteren Menschen rächen sich die Sonnen- und Solariumsünden der Vergangenheit. In den 70er bis 90er Jahren sei Sonnenbaden ohne ausreichenden UV-Schutz extrem populär gewesen. Die Spätfolgen zeigen sich zum Teil aber erst Jahrzehnte später. Ein Teil der Hautkrebserkrankungen dürfte auch auf Berufe zurückzuführen sein, in denen Menschen über Jahre der Sonne ausgesetzt waren. Dies betrifft Bauarbeiter, Dachdecker, Landwirte oder Garten- und Landschaftsbauer.

Was ist ein Hautmelanom ?

Das maligne Melanom ist der bösartigste Hauttumor. Jedes Jahr erkranken 21.000 Menschen daran und knapp ein Fünftel verstirbt an dieser Krebsart. Auch hier ist starke Sonnenstrahlung mit ursächlich. Im Lidbereich ist es sehr selten, sondern tritt eher am restlichen Körper auf. Im Augenbereich gibt es eher das Irismelanom und das Aderhaumelanom. Beide sind im Auge.

Da sich maligne Melanome der Haut häufig aus Pigmentmalen entwickeln, sollte man seine Haut immer mal wieder begutachten. Bei der Früherkennung geht man nach der "A-B-C-D-E-Regel" vor:

  • Asymmetrie: Hat der dunkle Fleck eine unregelmäßige Form und sieht in Teilen anders aus der Rest ?
  • Begrenzung: Hat der Fleck unterschiedlich auslaufende, ausgefranste oder verschwommene Ränder ?
  • Colour (Farbe): Hat das Mal hellere und dunklere Stellen ?
  • Durchmesser: Ist das Pigmentmal größer als 5mm ?
  • Erhabenheit: Das Mal erhebt sich deutlich über das Hautniveau

Liegen all diese Kriterien vor, ist dies sehr verdächtig und muss genau untersucht werden.

Fazit:

Insofern kann man nur erneut betonen, daß bei allen unklaren langsam wachsenden Veränderungen der Lider eine Probe bzw. eine Komplettentfernung angestrebt werden sollte.

Internet:

Die Leitlinien (Stand der Wissenschaft) zu den verschiedenen Hauttumoren finden Sie auf den Seiten:

http://www.derma.de/de/fuer-patienten/leitlinien/

Nähere Ausführungen zum Basaliom auch unter www.basaliom.org/

Wo lese ich über die gutartigen Tumore ?

Ein Beispiel für einen gutartigen Tumor finden Sie auf der Seite: Tumore

(Stand 04.04.2021)