Die Arbeit am Bildschirm:

Bei kaum einer anderen Beschäftigung wird soviel über Beschwerden mit den Augen geklagt, wie bei der Bildschirmarbeit. Angesichts von ca. 16 Millionen Bildschirmarbeitsplätzen in Deutschland ist dafür schon ein eigener Krankheitsbegriff geprägt worden. Auf “Neudeutsch” spricht man vom “Office Eye Syndrome”. 63% (Stand 2013) der deutschen Arbeitsplätze sind mit einem Computer ausgestattet. In fast 90% (Stand 2016) der deutschen Haushalte findenn sich Bildschirmgeräte wie PC, Notebook, Smartphone oder Tablet, mit denen jeden oder fast jeden Tag das Internet genutzt wird.

Bildschirmarbeitsplatz

70% aller Personen, die dauerhaft am Bildschirm arbeiten klagen früher oder später über die typischen Beschwerden wie Lidschwere, Müdigkeit, Brennen der Augen etc. Über 90% geben aber an, dass sich die Beschwerden bei Abwesenheit vom Bildschirmarbeitsplatz reduzieren. Was steckt hinter diesen Beschwerden ?

Geheimnisvolle Strahlen, die vom Monitor ausgehen ?

Nein, die von den heutigen Monitoren ausgehende Strahlung, ist bisher in allen Untersuchungen als harmlos bestätigt worden. Die Richtlinien, die hierfür herausgegeben wurden (z.B. TCO99, MPR II) sind streng und legen Werte zu Grunde, die weit unter dem liegen, was eventuell schädlich sein könnte.

Wo liegt das Problem dann ?

Die hohe Beanspruchung des ganzen Sehsystems (d.h. des Auges und des bildverarbeitenden Bereiches im Gehirn) führt bereits bei kleinen persönlichen Schwächen oder ungünstigen äußeren Bedingungen zu Problemen.

1. Die Bedeutung der Blinzelfrequenz und des trockenen Auges:

Da wäre zuerst die Tatsache, daß ein normaler Mensch im entspannten Zustand etwa 9-13-mal in der Minute (bzw. 13.000 mal pro Tag) mit den Lidern blinzelt. Dies ist notwendig um die Augenoberfläche zu reinigen und den schützenden Tränenfilm neu zu verteilen. Der Monitorarbeiter aber auch andere konzentriert im Nahbereich Arbeitende (z.B. am Mikroskop) blinzeln aber nur bis zu unter. 5-mal pro Minute bei der Arbeit. Häufig sind dies dazu noch unvollständige Lidbewegungen. Dies ist konzentrationsbedingt und führt zu einer schlechteren Versorgung und Pflege der Augenoberfläche. Der Flüssigkeitsfilm wird nicht neu ergänzt und verteilt und es kommt zu stärkerer Verdunstung. Der Film reißt auf und es entstehen trockene Stellen, an denen die Hornhautoberfläche nicht mehr geschützt ist. Besonders gefährdet sind hier Personen mit einem sehr fettarmen Tränenfilm, z.B. bei chronischer Blepharitis. Verschärft wird diese Problematik noch durch die Tatsache, dass man am Monitor nicht wie beim Lesen nach unten schaut und daher eine enge, leichter benetzbare Lidspalte hat, sondern durch das geradeaus Schauen, die Augen viel weiter offen hält. Besteht jetzt womöglich noch zusätzlich eine niedrige Luftfeuchtigkeit im Raum (Klimaanlagen, seltenes Lüften bei vielen elektrischen Geräten), ist der Raum überwärmt oder mit Zigarettenqualm angereichert, kommt es zu Reizerscheinungen oder gar Schäden der Hornhaut und Bindehaut mit der Folge von roten, brennenden Augen und evtl. verschlechtertem Sehen. Kontaktlinsen werden schlechter vertragen bzw. verschlimmern die ganze Sache noch. Ein bereits bestehendes trockenes Auge wird verstärkt oder bei Neigung dazu kommt es erstmals zu Beschwerden. Personen mit einem sehr guten Tränenfilm und individuell häufigerem Blinzeln können jedoch auch beschwerdefrei zurechtkommen. Bei Problemen ist die Blinzelfrequenz nicht dauerhaft bewußt steigerbar. Sinnreich ist hier eher die Behandlung von Trockenheitsproblemen durch künstliche Tränen. Kontaktlinsen sollten bei der Bildschirmarbeit vermieden werden oder mit konservierungsstoffreien Tropfen von aussen zusätzlich befeuchtet werden. Günstig sind hier auch Kontaktlinsen mit guter Wasserhaltefähigkeit und geringer Verdunstung (s.Kontaktlinsenmaterialien).

2. Die Bedeutung der richtigen Brille und der richtigen Arbeitsentfernung:

Durch den häufigen Blick- und Entfernungswechsel (Text, Tastatur, Bildschirm) muß das Auge ständig neu scharf stellen (bei einer Schreibkraft bis zu 30.000 mal am Tag !). Der kleine Muskel im Auge (Ziliarmuskel) der dafür zuständig ist erbringt Höchstleistungen, die bei einem vorbestehenden Sehfehler, der nicht ausreichend durch eine passende Brille korrigiert ist, schneller zu Problemen (Augendrücken und -rötung, Kopfschmerzen) führt als beim gut auskorrigierten Auge. Spätestens mit 45 Jahren ist hier auch beim Normalsichtigen eine Korrektur der dann auftretenden Altersweitsichtigkeit notwendig. Um nicht mehr als notwendig in die Nähe scharf stellen (akkomodieren) zu müssen, sollte der Monitor in minimal 60 bis maximal 80 cm (sonst wird die Schrift zu klein) Entfernung stehen.

3. Die Bedeutung der richtigen Bildschirmfrequenz und der richtigen Beleuchtung:

Die Bildschirmfrequenz ist ein Maß dafür wie häufig in der Sekunde das Bild neu aufgebaut wird. Ist es zu langsam, flimmert der Monitor. Dies muß vom Gehirn unterdrückt werden und kann Kopfschmerzen verursachen. Die Bildwiederholrate sollte mindestens 72, besser 85 Hz betragen. Letzteres gilt übrigens nur für den klassischen heute kaum noch verwendeten Röhrenbildschirm. Die modernen TFT-Aktiv-Matrix-Bildschirme bzw. LED-Bildschirme sind auch bei niedrigerer Bildwiederholfrequenz flimmerfrei und eine Bildwiederholung von 60Hz reicht aus um Videosequenzen flimmerfrei zu sehen. Die Beleuchtung sollte ausreichend hell und reflex- und blendfrei sein. Reflexe und Spiegelungen durch ungünstig angeordnete Lampen oder das Fenster aber auch die neumodischen Bildschirme mit hochglänzenden Oberflächen (gerne bei Laptops oder Tablets), führen zu verkrampften Haltungen, um den Spiegelungen aus dem Wege zu gehen. Ideal ist eine blendfreie indirekte Raumausleuchtung für die Grundhelligkeit mit noch vorhandenen leichten Schatten und eine Arbeitsplatzleuchte zur Beleuchtung des Schreibtisches, die individuell eingestellt werden kann und hier für etwas stärkere Helligkeit sorgt.. Die dekorative Halogenleuchte ist als Arbeitsplatzleuchte übrigens nicht so geeignet, da ihr Licht zu punktuell ist und zu viele Blauanteile enthält, die die Naheinstellung anstrengender machen.. Vom Farbspektrum und der gleichmäßigen Ausleuchtung her, ist die gute alte Glühbirne immer noch das Beste. Da sie ja ausstirbt sollte man auf eine Ersatzbeleuchtung (Energiesparlampe, Halogen, LED) mit komplettem, “natürlichem” Farbspektrum achten.. Mischlicht, d.h. Leuchtstoffröhren an der Decke und Glühlampenlicht auf dem Tisch, ist übrigens kein Problem. Hinter dem Bildschirm sollte kein Fenster mit hellem Sonnenlicht sein, da sonst der Kontrast zwischen Monitor und Hintergrund zu stark für das Auge ist. Die Pupille muß ständig weit und eng werden (4000-17.000mal pro Arbeitstag), was zu Ermüdung der Pupillenmuskeln führt. Ist ein Fenster hinter dem Bildschirm, sollte man mit Lamellenrollos oder dergleichen das Licht dämpfen.

4. Die Bedeutung der richtigen Sitzhaltung:

Wichtig ist auch die Monitorposition. Vor allem die Halswirbelsäule wird durch einen zu hoch aufgestellten Monitor belastet. Sie wird ständig gerade gehalten, statt ihre natürliche Krümmung zu behalten. Die Nackenmuskeln verkrampfen sich und es kommt zu Kopfschmerzen. Steht der Monitor zu tief führt ein durchhängender Rundrücken zu Rückenschmerzen und Verspannungen im Schulter- und Nackenbereich. Faustregel ist: Die obere Monitorkante sollte ungefähr auf Augenhöhe und der Monitor oben leicht nach hinten geneigt stehen. Um das ständige hin- und herschauen (12.000-33.000 Kopf- und Blickbewegungen pro Arbeitstag) zu mindern, kann z. B. mit Konzepthaltern neben dem Monitor gearbeitet werden.

Die Blutgefäße in den Beinen werden bei ungünstiger Stuhlhöhe im Oberschenkelbereich abgequetscht. Die Oberschenkelmuskeln sollte nur knapp aufliegen und nicht plattgequetscht werden. Je nach Stuhl und Körpergröße kann ein Fußbänkchen hier hilfreich sein.

Infografik_Nie-wieder-muede-Augen 1

5. Weitere Informationen finden Sie auf der Checkliste bzw. im Internet z.B. unter:

http://www.ergo-online.de/site.aspx?url=html/arbeitsplatz/arbeitsumgebung_beleuchtung/titel.htm (Seite rundum den Büroarbeitsplatz mit zahlreichen Downloads gerade auch zum Bildschirmarbeitsplatz)

http://cms.augeninfo.de/hauptmenu/gesunde-augen/augen-gesund-halten/bildschirmarbeit-den-augen-pausen-goennen.html (Seite des Berufsverbandes der Augenärzte mit Möglichkeit Broschüre herunter zu laden)

http://www.sehen.de/sehen_brille/bildschirmarbeitsplatz/index.php (Ausführliche Informationen durch das Kuratorium Gutes Sehen)

Bildschirmarbeitsplatzverordnung als PDF

6. Augenentspannungsübungen:

Infografik_Nie-wieder-muede-Augen 2

(Die beiden Grafiken wurde mir freundlicherweise von der Augenklinik iclinic in Bratislava zur Verfügung gestellt)

(Stand 03.02.2019)