Blindenschrift:

Louis Braille gilt als der Erfinder der Blinden- bzw. nach ihm benannten Brailleschrift wie sie heute gebraucht wird. Er wurde am 4. Januar 1809 in Coupvray (Frankreich, 40 km vor Paris) geboren und starb in Paris am 6.Januar 1852. Er arbeitete als Organist und Blindenlehrer in seinem Heimatland Frankreich, nachdem er selbst mit fünf Jahren durch einen Unfall in der Werkstatt seines Vaters erblindet war. 1825 - also mit 16 Jahren - entwickelte er die später nach ihm benannte Braille-Schrift, indem er das 12-Punkte-System von Charles Barbier auf sechs Zeichen reduzierte und dadurch deutlich vereinfachte. Barbier war ein Artillerie-Hauptmann, der 1820 eine sog. "Nachtschrift" erfunden hatte Die Nachtschrift diente dazu, dass seine Soldaten die Befehle auch in der Dunkelheit lesen konnten und die Befehle für die Feinde nicht entzifferbar waren, also gleichzeitig eine Geheimschrift. Die Punkte wurden in Karton gedrückt. Beim MIlitär setzte sich diese Schrift aufgrund ihrer Komplexität aber nicht durch. Die Grundlage für die Schrift von Braille bilden nur noch sechs Punkte (ein Buchstabensystem hat zwei Punkte in der Breite und drei in der Höhe), die in verschiedenen Kombinationen zum Ertasten mit den Fingern erhaben oder glatt sind (zum Beispiel ist beim Buchstaben “A” nur der Punkt in der oberen linken Ecke fühlbar). Er hatte mit diesen 6 Punkten 63 Zeichen geschaffen (Buchstaben, Laute, Zeichen, Zahlen, Noten für Musik). Jedem Buchstaben oder Satzzeichen ist - in der sogenannten Vollschrift (s.u.) - ein Zeichen der Blindenschrift zugeordnet. Man unterscheidet in der Blindenschrift zwischen einer Vollschrift, bei der jedes Zeichen genau eine Bedeutung hat, und einer Kurzschrift, bei der ein Zeichen oder eine Zeichenkombination entweder für einen Buchstaben, für eine Silbe oder für ein ganzes Wort steht. Sein Schriftsystem wurde von den sehenden Blindenlehrern jener Zeit abgelehnt, weil dadurch eine Kluft zwischen Sehenden und Blinden entstünde. Wegen ihrer Vorteile für den Blinden setzte sich die Braille-Schrift jedoch nach und nach trotz dieses Wiiderstandes durch und ist heute die Blindenschrift schlechthin. Seit 1847 gibt es die Braille-Druck-Presse, die es erlaubte Bücher und Printmedien in Blindenschrift zu drucken. Nach Brailles Tod wurde 1878 auf einem Kongress in Paris die Braille-Schrift offiziell zur internationalen Methode für den Unterricht in Blindenschulen erklärt. Sie fand Eingang in Völker und Sprachen rund um die Welt.

Die Grundform eines Zeichens des Blindenschriftalphabets besteht aus bis zu maximal sechs Punkten, die zu einem Muster auf drei Zeilen und zwei Spalten angeordnet werden. Dabei findet sich das Muster von den Zeichen aus der 1. Reihe in den Zeichen der anderen fünf Reihen wieder, entweder um weitere Punkte ergänzt oder nach unten versetzt. Die Schrift oben bedeutet: “Dies ist Blindenschrift”. Das gesamte Alphabet s. hier:

"Braille Musik" ist Musiknotation in Blindenschrift (s. HIER). Diese gilt als deutlich schwerer zu erlernen. Ein Problem für Personen, die erst später erblinden und schon normale Notendarstellungen kennen, ist das Erlernen dieser Schrift. Neuerdings gibt es Drucker, die normale Notenblätter erhaben und fühlbar drucken. So kommt der ältere sehbehinderte Musiker evtl. um das Erlernen dieser Schrift herum.

Die Blindenschrift wird auch bei der Bedienung von technischen Geräten eingesetzt, in Form einer Braille- Zeile. Kleine Drahtstifte werden auf einer Leiste fliessend angehoben um ein tastbares Abbild der Texte zu geben. Sowohl auf PC-Tastaturen an blindengerechten Arbeitsplätzen als inzwischen auch an Handys - dann über Bluetooth verbunden - ist dies möglich. Es gibt inzwischen ein Handy das Telefon, SMS, Terminkalender, e-mail, Notiz- und Adressbuch mittels Braille-Zeile les- und bedienbar macht (s. www.pemstar.com). Um Bildschirminhalte über eine solche Braillezeile lesen zu können, müssen diese aber barrierefrei sein, d.h. so aufgebaut, daß der Bildschirminhalt so auch darstellbar und bedienbar ist.

Zunehmend weniger genutzt wird die Braille-Zeile, da z.B. Smartphones auch Vorlesefunktionen bzw. Bedienung per Sprache ermöglichen und vieles über "Alexa" und eben Sprache funktioniert. Da kommt ein entsprechendes Projekt des Herstellers Lego gerade recht. Sehbehinderte Kinder sollen künftig mit Legosteinen spielerisch die Brailleschrift lernen. Das dänische Unternehmen hat dafür das Punktmuster der Blindenschrift auf Spielsteine übertragen und spezielle Sets zusammen gestellt. Jedes Paket enthält die passende Steine unter anderem für das Alphabet, die Zahlken von 0 bis neun und Mathemathiksymbole. Damit Sehende die Steine auch zuordnen können, sind auch die entsprechenden Symbole aufgedruckt. Nach einer Testphase sollen die Sets 2020 über ausgewählte Organisationen blinden und sehbehinderten Kindern gratis zur Verfügung gestellt werden. So gelingt es vielleicht wieder mehr dieser Kinder die Blindenschrift beizubringen, da heutzutage zu viele die zahlreichen technischen Hilfsmittel vorziehen.

Aktuelles aus den Hörbüchereien:

Da nicht jeder die Blindenschrift beherrscht und gut genug lernt gibt es vieles auch gleichzeitig als Hörbuch.

Kochbuch für Blinde

Die älteste Hörbücherei Deutschlands feiert 60-jähriges Jubiläum mit einem speziellen Kochbuch für Blinde und einem neuen Online-Katalog.

Zum Jubiläum präsentiert die Deutsche Blindenhörbücherei ein spezielles Kochbuch für Blinde und einen neuen Online-Katalog. Seit 60 Jahrenbesteht die zur Deutschen Blindenstudienanstalt (blista) gehörendeEinrichtung - die älteste und größte ihrer Art in Deutschland. Die Hörer können sich knapp 42 000 Krimis, Romane, Fachbücher und Zeitschriftenausleihen. "Damit öffnen wir die Welt für unsere 14000 Nutzer", sagte blista-Direktor Claus Duncker während der Jubiläumsfeier.

Marburgs Oberbürgermeister Egon Vaupel schaltete den neuen Online-Katalog derHörbücherei frei, mit dem zugleich ein neues Kapitel für sehbehinderteHörer in ganz Deutschland startet. Der sehr ausgereifte, auch fürSmartphones geeignete Katalog erfasst die gesamte in Deutschlandverfügbare Literatur für Blinde - egal, ob sie in Punktschrift oder alsHörbuch vorliegt. Gesucht werden kann unter anderem nach Titel, Autor oder Schlagworten. Das gewünschte Buch wird dann auf eine Ausleihliste gesetzt und ein Brennroboter produziert automatisch eine Hör-CD für den Postversand. Jedes Werk kann zentral über die Blindenstudienanstalt (blista) bestellt werden (www.katalog.blista.de).

Bereits vor 60 Jahren, als die ersten Tonbandgeräte in den Privathaushaltenauftauchten, waren die Marburger die ersten, die auf die neue Technik setzten. Besonders für Menschen, die erst im Alter ihre Sehkraftverloren hatten, war dies eine große Veänderung. "Punktschrift lernt man mit 60 oder 70 Jahren nicht mehr so leicht", erinnerte Duncker.

Seitdem hat sich die Technik massiv verändert. Auf die Tonbänder folgten die Kassetten, von denen allerdings viele gebraucht wurden. Wer Buchheims "Die Festung" lesen wollte, musste 43 Kassetten einlegen. Heute reicht eine einzige CD. 2004 stellte die blista auf die digitale Produktion um, für begeisterte Leser wie Thorsten Büchner ein "Quantensprung", weil der begehrte Lesestoff seitdem viel schneller und viel umfangreicher produziert werden kann. Die CDs lassen sich auf normalen MP3-Playern abspielen. Dazu gibt es inzwischen so genannte "Daisy-Player", mit denen blinde Leser fast wie Sehende in Büchern blättern und von Kapitel zu Kapitel springen können. Auch Bandsalat und lästiges Spulen ist mit den CDs vorbei. "Wer einmal Harry Potter auf 16 Kassetten gelesen und erlebt hat, wie eine runterfällt ...", erinnerte Büchner.

Heute werden jedes Jahr bis zu 130 000 CDs an Kunden aus ganz Deutschlandversendet. Etwa zwei Drittel der Hörer sind älter als 65 Jahre. Die Älteste ist 105 Jahre alt, die Jüngste sieben. Ein Teil der 2000 jährlich neu eingestellten Bücher wird in Marburg produziert. Dazu nehmen 27 Sprecher Bücher und Zeitschriften auf - nicht nur Belletristik und Krimis - sondern auch sehr viele Sachbücher. Die "Bestseller" des vergangenen Jahres sind Jonassons "Der Hundertjährige", Krimis von Andreas Föhr, Donna Leon und Nele Neuhaus sowie Florian Illies "1913". Schon seit 1980 wird jede Woche das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" aufgenommen. Bereits am Montagabend liegt es als Download vor, mittwochs als CD im Briefkasten.

Eine Premiere konnte bei der Jubiläumsfeier ebenfalls vorgestellt werden:Der preisgekrönte türkische Gourmetkoch Ömür Akkor, der mit Unterstützung des Akademikervereins "Colloquium" nach Marburg reiste, hat ein Kochbuch für Blinde geschrieben, das nun vom "Main-Donau-Verlag" in Frankfurt übersetzt und in Punktschrift und als Hör-CD herausgebracht wurde. Alle Rezepte hat er selbst unter der Augenbinde ausprobiert. Wie das "blinde Kochen" funktioniert, demonstrierte er bei der Zubereitung des Nachtischs für die Jubiläumsgäste: "Paradiesschlamm" ist eine von Pistazien dominierte Köstlichkeit aus dem osmanischen Reich.

Den kostenlosen Service der Marburger Hörbücherei können alle nutzen, dieaufgrund einer Seheinschränkung normal gedruckte Bücher nicht lesenkönnen.

Mehr Infos gibt es auf www.blista.de oder unter [info@blista.de]() und 06421 606-0.

Weitere Bücher für Blinde und Sehbehinderte finden sich beim Deutschen Zentrum für barrierefreies Lesen

Brailleschriftbibliothek mit Notenausleihe

Ein kleines Mädchen schreibt an Ihre Klassenkameraden:

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Brailleübersetzer

Braille-Simulator)

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Stand 02.01.2021