Der Augeninnendruck:

Der Augeninnendruck muß wie der Blutdruck in einem bestimmten Rahmen bleiben. Liegt er zu niedrig, liegt ein schwerwiegender Schaden des Auges vor. Liegt er zu hoch spricht man - zumindest wenn das Auge schon Schäden zeigt - vom Grünen Star.

Da ein leichter bis mittlerer Anstieg auf Dauer zur Erblindung führen kann, aber bis dahin keine Beschwerden macht und mit zunehmendem Alter die Wahrscheinlichkeit immer mehr zunimmt, sollte der Augeninnendruck - vor allem nach dem 40. Lebensjahr - regelmäßig kontrolliert werden.

Dies erfolgt entweder mit dem sogenannten Lufttonometer oder mit der unten abgebildeteten Apparatur, dem Applanationstonometer.

Die Messung mit dem Lufttonometer kann auch von Nichtärzten (z.B. der Arzthelferin) durchgeführt werden, ist leider jedoch nicht sehr genau. Man spricht von einer “Sreeningmethode”, was soviel heißt wie: Ist der Wert schlecht, muß man “mal genau nach sehen”. Bei dieser Messung sitzt man vor einem Gerät, schaut auf ein Zielkreuz und plötzlich spürt man einen starken Luftstoß am Auge. Manche Patienten erschrecken dann etwas. Es ist jedoch nicht schmerzhaft.

Applanationstonometermessung

Das Messen mit dem Applanationstonometer (auch Goldmanntonometer genannt, s. Bild oben aus der Bilddatenbank des Berufsverbandes der Augenärzte) kann nur vom Augenarzt selbst durchgeführt werden und ist die derzeit genaueste Methode den Augeninnendruck zu bestimmen. Man spricht von “Goldstandard”. Seit 60 Jahren gibt es diese Technik. Man sitzt wie im Bild zu sehen vor einer Spaltlampe, bekommt einen leicht brennenden gelben Tropfen in das Auge und mit einem kleinen blauen “Stempel” wird der Druck gemessen. Es ist etwas irritierend wenn der “Stempel” direkt auf das Auge zukommt, man spürt aber nichts. Technisch gesehen wird eine definierte Fläche des Auges (der Hornhaut genau genommen) durch den “Stempel” “plattgedrückt” (daher Applanationstonometer) und die dazu notwenige Kraft entspricht dem Druck im Auge. Dies ist an einer Skala ablesbar (im oberen Bild unten rechts zu erkennen). Bei ungewöhnlich dicken oder dünnen Hornhäuten muß ein Korrekturfaktor hineingerechnet werden. Daher wird manchmal zusätzlich die Hornhautdicke mit einem speziellen Gerät (Pachymeter) gemessen. Auch nach einer LASIK-Operation wird der Augeninnendruck mit dem Applanationstonometer falsch (zu niedrig) gemessen und muß korrigiert werden.

Eine mögliche Alternative ist die Dynamische Konturtonometrie, da hier die Eigenschaften der Hornhaut weniger bedeutsam sein sollen und damit weniger verfälschend sind. Dieses Gerät ist aber noch nicht weit verbreitet und wird nur ggf. ergänzend zur Applanationstonometrie verwendet.

Es gibt noch einige andere Geräte zur Messung des Augeninnendrucks vor allem im mobilen Bereich, z.B. zur Messung im Liegen im Bett (Schiötz-Tonometer, sieht aus wie eine Stimmgabel, ist nicht sehr genau), diese werden aber selten angewandt. Relativ neu ist das Selbsttonometer (s.z.B. www.icaretonometer.com/), bei dem der Patient sich selbst messen kann. Eine kleine magnetische Sonde trifft in Sekundenbruchteilen auf die Hornhaut und mittels eines Sensors wird gemessen undder Augeninnendruckanschließend berechnet und über eine USB-Schnittstelle ausgelesen. Der Aufprall ist so kurz, dass man ihn auch ohne betäubende Tropfen - wie bei der Applanationstomometrie - nicht merkt.In Frage kommt dies z.B. bei starken Druckschwankungen, wenn häufig gemessen werden muß und man dafür nicht in der Klinik verbleiben will. Man müsste es ggf. ausleihen, es ist aber nicht sehr verbreitet und ein Selbstkauf lohnt angesichts des Preises nicht. Bisherige Erfahrungen bei Patienten zeigen auch teilweise gravierende Werteabweichungen zur Goldmanntonometrie beim Augenarzt. Insofern können diese Geräte sicher die Kontrolle bei einem Augenarzt oder in einer Klinik nicht ersetzen. Auch eine hohe Reparaturanfälligkeit wird berichtet.Eine Variante dieses Gerätes kann auch beim liegenden Patienten angewendet werden.

Generell muß man zu den Druckwerten wissen, daß bereits der normale Augeninnendruck (10-20 mmHg siehe unter Glaukom) um 3-6 mmHg schwankt und beim Glaukomkranken auch mal um 10 mmHg. Insofern ist eine Augendruckmessung immer nur eine Momentaufnahme und ein scheinbar normaler Wert bei einmaliger Messung ist kein sicherer Ausschluß. In Zweifelsfällen sollte ein Tagesdruckprofil angelegt werden, bei dem 24 Stunden in regelmäßigen Abständen gemessen wird.

Das Glaukom (grüner Star) - also Schäden am Sehnerv - wird daher auch nicht durch die Druckmessung allein, sondern zusätzlich mit weiteren Geräten erkannt (s.Gesichtfelduntersuchung, Spezialdiagnostik). Für exakte Werte ist z.B. die Messung der Hornhautdicke zusätzlich empfehlenswert (s. Spezialdiagnostik).

(Stand 03.02.2018)