Allergien im Augenbereich:

Was ist eine Allergie ?

Wenn der Körper für bestimmte Substanzen, mit denen er vorher in Kontakt gekommen ist, sensibilisiert wurde, reagiert er bei erneutem Kontakt mit einer Abwehrreaktion. Bei solchen Stoffen handelt es sich entweder um Eiweiße bzw. Proteine (z.B. Pollen) oder um kleinmolekulare Stoffe (z.B. Nickelsulfat in Schmuck). Sensibilisiert heißt, der Körper hat sie als fremd und schädlich eingeordnet und bereitet sich durch bestimmte Änderungen in seinem Immunsystem auf den nächsten Kontakt vor. Die Art der dann stattfindenden Abwehrreaktion kommt auf den Ort an, an dem sie ausgelöst wurde. Schleimhäute sind generell eine besonders gute Eintrittspforte für allergene Substanzen. Daher sind häufig die Augen (Bindehautentzündung) und die Nasenschleimhäute (“Heuschnupfen”) und etwas weniger die Luftwege (Asthma) oder gar der Darm (Nahrungsmittelallergie) betroffen. Aber auch die trockene rissige Haut (Neurodermitiker/ Atopiker -> Ekzeme) ist eine gute Eintrittspforte (s.u.). Zusätzlich kann es zu Müdigkeit und Konzentrationsstörungen und in ganz seltenen Fällen sogar zum - potentiell lebensgefährlichen - Allergischen Schock (eher bei Bienengift- und Nahrungsmittelallergien) kommen. 25% der Bevölkerung leiden an Allergien, 15-20% an Heuschnupfen und ca. 10% an einer allergischen Bindehautentzündung. Auffallend ist die Zunahme der Allergien in den Industrienationen. Die Ursachen sind unklar. Bei der Auslösung könnten Klimaveränderungen, Umweltfaktoren, Erbfaktoren sowie die allgemeine Lebensweise eine Rolle spielen.

Welche Formen der Allergie gibt es am Auge ?

1. Die allergische Bindehautentzündung

In der klassischen Form handelt es sich um den Heuschupfen, der zu bestimmten Jahreszeiten auftritt.

Hier ist die Bindehautentzündung in der Regel mit einer Nasenschleimhautentzündung verknüpft. Der Fachausdruck ist “Rhinokonjunktivitis”. Der Fremdstoff ist ein pflanzlicher, nämlich die Blütenpollen bestimmter Pflanzen. Pollen werden durch Wind, Wasser und Tiere (z.B. durch Bestäubung, siehe Pollen auf dem Insekt im Bild unten) übertragen.

Bestäubung

Entscheidend für den Heuschnupfen ist in der Regel die Übertragung durch den Wind. An Tagen mit starker Belastung schwirren über 100 Blütenstaubkörnchen pro Kubikmeter Luft durch die Gegend und bereits 6 Roggenpollen pro Kubikmeter Luft reichen z.B. schon für eine allergische Reaktion. Bereits an der Jahreszeit des Auftretens kann man häufig erahnen um welche Pflanze es sich handelt. Es gibt daher Kalender, die die Hauptblütezeit der Pflanzen aufzeigen. Die Pollenflugwarnungen der Wetterdienste melden die Stärke und die Sorte des Pollenflugs.

Auf der Seite Allergien im Garten wird man beraten wie ein allergiearmer Garten angelegt werden sollte, d.h. welche Pflanzen eher empfehlenswert sind und welche gar nicht.

Die ganzjährige Form der allergischen Bindehautentzündung wird mehr durch Stoffe aus dem häuslichen Umfeld, wie Hausstaubmilben, Tierhaare (insbes. Katzenhaare), Bettfedern und Schimmelpilze hervorgerufen. Die Beschwerden sind meist weniger schlimm mit einer gewissen Verschlechterung im Winter.

Das wichtigste Zeichen der allergischen Bindehautentzündung ist der Juckreiz am Auge. Es gibt keine Allergie ohne Juckreiz aber wohl Juckreiz ohne Allergie. Weiterhin findet sich Brennen, Reiben, Lichtempfindlichkeit und gesteigerter wasserklarer dünnflüssiger Tränenfluß. Undurchsichtiger oder eitriger Schleim spricht gegen eine Allergie und mehr für eine Infektion. Leichte Formen gehen mit einem Stau in den Venen um das Auge herum einher. Es wirkt wie ein Lidschatten (siehe Augenringe). Bei mittelstarken Formen ist die Bindehaut ganz rot und bei stärkeren Formen wölbt sie sich wie ein glasiger Sack (sogenannte Bindehautchemosis siehe Bild unten) nach vorne (kann ganz plötzlich innerhalb von Minuten nach einem Picknick unter dem “falschen” Baum kommen), evtl. sind noch die Lider geschwollen.

Allergische Reaktion am Auge (Chemosis)

Eine Beteiligung der Hornhaut kommt in der Regel nicht vor. Die schnelle Reaktion des Körpers auf den äußerlichen Kontakt mit den Fremdstoffen liegt an dem flächigen Kontakt mit dem Blutkreislaufsystem im Bereich der Bindehaut. So werden die Abwehrstoffe bei bereits bestehender Sensibilisierung (s.oben) in kürzester Zeit herantransportiert und führen dann zu den typischen Symptomen. Zur Vorbeugung und Behandlung siehe auch unter Heuschnupfenkalender. Wie sehr Allergien den Alltag beeinflussen können, zeigt ein Studie aus Großbritannien: Forscher stellten fest, dass Schüler mit aktivem Heuschnupfen während ihrer Allergiezeit deutlich schlechter in Klausuren abschnitten. In den Niederlanden zeigte sich in Versuchsanordnungen, dass Autofahrer mit einer unbehandelten Pollenallergie so fuhren, als hätten sie 0,5 Promille Alkohol im Blut.

2. Die vernalische Hornhaut- und Bindehautentzündung

Eine häufige wiederkehrende beidseitige Entzündung des äußeren Auges, die typischerweise Kinder und junge Erwachsene betrifft und während des Frühlings stärker wird. Hier tritt keine direkte Reaktion auf den Kontakt mit bestimmten Stoffen - wie typischerweise beim Heuschnupfen (wenn man unter dem falschen Baum sitzt z.B.) - auf. Es besteht ein starker Juckreiz, jedoch zusätzlich typische Veränderungen der oberen Lidinnenseite und der restlichen Bindehaut. Im Gegensatz zur allergischen Bindehautentzündung gibt es hier häufig eine Hornhautbeteiligung, die sogar zu Vernarbungen führen kann. Es handelt sich um eine allergische Reaktion, die etwas anders entsteht als die Heuschnupfenbindehautentzündung. Die genauen Ursachen sind nicht bekannt. Meist muß hier mit Cortison behandelt werden.

3. Die gigantopapilläre Bindehautentzündung

Eine Sonderform der allergischen Bindehautentzündung, die bei Kontaktlinsenträgern und Patienten mit Augenprothesen auftritt. Die auf den Oberflächen abgelagerten Eiweiße werden durch die Pflege- und Reinigungsmittel so verändert, daß es zu einer Überreaktion des Körpers auf die fremden Stoffe kommt. Typische Beschwerden bei Kontaktlinsenträgern sind zunehmende Minderung der Sehschärfe, vermehrte Blendungsempfindlichkeit, chronisches Brennen, Fremdkörpergefühl und Jucken. Absolutes Absetzen der Kontaktlinsen und Behandlung mit konservierungsstoffreien Augentropfen führen zur Abheilung. Ein erfahrener Kontaktlinsenfachmann sollte dann die Auswahl neuer Kontaktlinsen und anderer Reinigungsmittel treffen. Manchmal muß auch dauerhaft auf Kontaktlinsen verzichtet werden.

4. Die Kontaktallergie bzw. -dermatitis:

Die Lidhaut ist im Vergleich zur übrigen Haut extrem dehnbar und dünn. Auch der Aufbau der einzelnen Schichten und die Ausstattung mit Drüsen ist anders. Hier können Reizungen und Reizstoffe in wesentlich geringerer Ausprägung bzw. Konzentration als sonst, schon zur Hautentzündung (Dermatitis) bzw. sogar zu einer allergischen Reaktion der Haut (Ekzem bzw. am Auge Lidekzem) führen.

Meist werden die Reizstoffe mit den Fingern (ungenügendes Abwaschen von Seifenresten oder Anderes) oder durch Sprays (Haare, Parfum etc.) unwissentlich übertragen. Auch Augentropfen und -Salben, die über die Lider laufen, sowie im Bereich der Augen aufgetragene Hautsalben können zur Sensibilisierung und damit bei erneutem Kontakt zur allergischen Reaktion führen. Begleitend mit dem allgemeinen Reiz- und Schwellungszustand der Region kommt es häufig auch zur allergischen Bindehautentzündung. Eine Hornhautbeteiligung ist nicht üblich.

Lidekzem mit geröteter schuppender Haut

Typische Zeichen der kurzfristig auftretenden Dermatitis sind Rötung, Schwellung, Bläschen- und Krusten- bildung. meist begrenzt auf den Bereich der dünnen Lidhaut (siehe Bild oben). Die Gesichtshaut ist nämlich dicker und daher nicht ganz so empfindlich. Es tritt Brennen und Juckreiz auf. Längere Hautentzündungen führen zu einem Ekzem mit verdickter faltiger und geröteter Haut, die zum Jucken neigt. Entscheidend bei dieser Form der Allergie ist ist das Finden des auslösenden Stoffes und das absolute Vermeiden des Kontaktes mit diesem Stoff. Weiterhin muß man in den nichtentzündlichen Phasen vorbeugend die anlagebedingt (trockener Hauttyp oder z.B. Neurodermitis) oder durch Umwelteinflüsse (trockene oder zu kalte Luft) zu trockene und empfindliche Haut durch spezielle Lidcremes schützen. Normale Hautcremes sind hierfür nicht geeignet. Siehe auch unter Kosmetische Therapie im Augenbereich.

Was macht kalte Luft mit der Haut, insbesondere mit der Lidhaut und Bindehaut ?

Kalte Luft ist trocken. Sie zieht quasi Feuchtigkeit aus Haut und Bindehaut. Auch die Bildung von Fett - das ja die Oberfläche schützen soll läuft auf Sparflamme. Ab acht Grad treten nämlich die Talgdrüsen in Streik. Die Blutgefäße ziehen sich zusammen und Haut und Bindehaut sind schlechter durchblutet. Dadurch werden Reparatur- und Heilungsprozesse verlangsamt. Der kalte Wind führt zusätzlich zur Verdunstung. Endergebnis ist eine rissige, nicht mit einem guten Schutzfilm versehene Oberfläche, in die alles besser eindringen kann und zusätzlich zu den Austrocknungsbeschwerden die Allergieneigung steigt. Ein Trockenes Auge und Lidekzeme sind die Folge.

Wie werden Allergien behandelt ?

Zuallererst muß herausgefunden werden, gegen was man eigentlich allergisch ist. In der Regel nimmt man dafür Hauttests , bei denen die vermuteten Stoffe auf die Haut aufgetragen oder eingeritzt werden.

Wenn das Allergen (der Stoff gegen den man allergisch ist) bekannt ist, sollte man den Kontakt vermeiden (sogenannte Allergenkarenz). Dies gelingt bei Tierhaaren oder bestimmten Kosmetika oder Reinigungsmitteln zwar recht gut, ist aber z.B. bei Hausstauballergie oder Heuschnupfen nur schwer möglich. Beim Heuschnupfen kann man in der entsprechenden Jahreszeit nur vermehrt drinnen bleiben, im Auto Pollenschutzfilter verwenden oder bei Outdoorsportbegeisterten z.B. nach einem Regenschauer - wenn die Luft pollenärmer ist - joggen und eine eng anliegende Sportbrille tragen. Für Hausstauballergiker gibt es spezielle Matratzen und sie sollten nur glatte Böden und keine Teppichböden in der Wohnung haben. Eine Liste mit Tips zur Vermeidung von stärkeren Allergiebeschwerden finden Sie unter dem Link in dieser Zeile.

Sogenannte Antiallergika unterdrücken die allergische Reaktion. Am Auge werden dafür Augentropfen, in der Nase Sprays und für den ganzen Körper bei größeren Problemen Tabletten oder Injektionenverwendet. Ihre Wirkung reicht manchmal nicht aus, dann werden Cortisonaugentropfen, -sprays, -salben oder gar Spritzen verwendet. Eine sehr erfolgreiche Methode ist auch die Desensibilisierung (Spezifische Immuntherapie). Hier wird über 3 Jahre das Allergen in steigender Dosierung einmal pro Monat gegeben, um den Körper daran zu gewöhnen. Dies kann etweder mit einer Spritze unter die Haut oder alternativ als Tabletten oder Tropfen unter die Zunge erfolgen. Wird die Therapie durchgehalten, ist sie in hohem Prozentsatz erfolgreich.

Eine aktuelle FORSA-Umfrage zum Thema Allergien können Sie HIER herunterladen.

Weiteres im Internet:

Seriöse (qualitätsgesicherte), wissenschaftlich fundierte, nicht industriebeeinflusste Seiten rund um das Thema Allergien: Allergieinformationsdienst

Allgemeines zum Thema Allergien: http://allergien.com/

Allergien im Garten: Welche Pflanzen soll ich pflanzen und welche besser nicht

App für Ihr Smartphone: “Allergiehelfer” ist eine Pollenflug-Vorhersage, die anzeigt welche Gräser und Pollen in welchen Gegenden Deutschlands gerade unterwegs sind.

(Stand 01.05.2018)