Bilder der Netzhaut:

Netzhautphoto

Oben sieht man die Netzhaut, wie sie der Augenarzt sieht, wenn er mit einer speziellen Lampe und einer Lupe durch die weit getropfte Pupille mitten in das Auge sieht (die Netzhautspiegelung/ Ophthalmoskopie) oder aber die Netzhaut mit einer sogenannten Funduskamera photographiert, wie man sie schon lange kennt.

Die roten Linien sind die großen Blutgefäße in der Netzhaut des Auges. Die Arterien sind heller und die Venen dunkler. Sie treffen sich im Bereich des gelben Fleckes links, der Mündung des Sehnerven in das Auge bzw. dem sogenannten Sehnervenkopf (= Papille). Dort treten die Arterien in das Auge ein und versorgen die Netzhaut und die Venen verlassen das Auge dort wieder. Die kleinsten Verästelungen der Blutgefäße, kann man bei der Netzhautspiegelung nicht sehen. Man sieht jedoch mit der Lupe mehr Details als auf dieser Aufnahme, die die lange nur so erzielbare Photoqualität wiederspiegelt. In der Blutgefäßdarstellung mit Kontrastmittel (Angiographie) sieht man dann noch mehr Gefäßdetails als mit der Lupe und die Darstellung feinster Verästelungen ist möglich.

Die Makula, das Netzhautzentrum, ist markiert. Sie ist der Bereich mit dem man scharf sieht und Gesichter erkennt, sie hat einen Durchmesser von 5,5mm. Besonders gut sehen kann man mit ihrem Zentrum der Fovea (1,5mm, hier schwarz markiert) und nochmal besser mit ihrer absoluten Mitte der Foveola (0,35mm), hiermit erkennt man einzelne Buchstaben und nur hier besteht 100% Sehschärfe. Der Rest der Netzhaut dient lediglich der Orientierung und ermöglicht nur ein nach aussen hin zunehmend unschärferes Sehen. Vergleiche daher auch die Beschreibung des Gesichtsfeldes.

Die äußeren Bereiche der Netzhaut (Netzhautperipherie), die besonders wichtig sind zum Ausschluß von Netzhautlöchern, mit der Gefahr von Netzhautablösungen, insbesondere bei der Kurzsichtigkeit, sieht man, wenn der Patient nach den Seiten schaut und der Einblick schräg erfolgt. Ganz aussen braucht man noch ein ergänzendes Dreispiegelglas auf dem Auge. Diese Netzhautregion ist hier nicht abgebildet.

Wenn man die ganze Netzhaut auf ein Photo bekommen möchte, muss man mehrere Photos anfertigen und sie digital zusammenführen. Mit moderner Bildbearbeitung ist hier einiges möglich. Inzwischen kann man auch mit einem Laser durch trübe Medien und enge Pupillen schauen, bei denen ein herkömmliches Photo nicht gelingen würde.

Netzhautbild mit dem Laser

Oben ein Photo aus der heutigen Zeit, mit Laserbeleuchtung bei enger Pupille und digital zusammengeführt aus 5 Photos. So gelingt ein Überblick über große Teile der Netzhaut ohne die Pupille weitzutropfen und der Detailreichtum ist schon deutlich höher. Um die Makula sieht man einen hellen Lichtreflex und im Gegensatz zu obigem Photo kann man hier feine streifige vom Sehnervenkopf ausgehende Strukturen erkennen. Dies sind die Nervenfasern (ein Teil der Nervenfaserschicht der Netzhaut), die vom Sehnervenkopf zu den einzelnen Regionen der Netzhaut mit ihren Schaltzellen und Lichtrezeptoren führen (Vergleiche die Struktur und Arbeitsweise der Netzhaut unter Bestandteile des Auges und unter Der Sehvorgang).

"Alles auf einmal" (zumindestens 80% der Netzhaut) sieht man - unter Berücksichtigung gewisser Einschränkungen - mit dem Optomap®(s.unten), auch einer Art Laserabtastung der Netzhaut, die aber technisch kein ganz richtiges “Photo” ist. Näheres siehe auch auf der Vorseite. (Das Bild unten ist ein Original mit freundlicher Genehmigung der Firma Optos).

Netzhautbild mit dem Optomap

Seit 2018 gibt es auch spezielle photographische Weitwinkelsysteme der Firma Zeiss z.B. mit denen man Photos von der gleichen Ausdehnung anfertigen kann.

Inzwischen gibt es Computerprogramme und Geräte, die mittels künstlicher Intelligenz Netzhautphotos auswerten und Hinweise geben ob z.B. eine Zuckererkrankung (Diabetes) vorliegt. Eine Roboter-Kamera, die nicht größer als eine Kaffeemaschine ist, ist unter der Leitung der Universitätsklinik für Augenheilkunde und Optometrie in drei diabetologischen Abteilungen (an der MedUni Wien bzw. im AKH Wien, in der Rudolfstiftung und im Kaiser-Franz-Josef-Spital) im Einsatz und diagnostiziert binnen weniger Minuten, ob bei Diabetikern bereits eine Schädigung der Netzhaut vorliegt, die behandelt werden muss. Sie kann ohne ärztliche Hilfe zu einem Ergebnis kommen. Dies wird bei positivem Befund dann von einem Augenarzt überprüft und ggf. eine Therapie veranlasst. Alle drei in Wien im Einsatz befindlichen Geräte sind Teil der Kooperation der Universitätsklinik für Augenheilkunde und Optometrie mit ihren internationalen KI-Partnern. Das dabei eingesetzte IDx-DR-System wurde an der Universität von Iowa in den USA im Rahmen eines Spin-off-Unternehmens entwickelt und ist nach Abgaben der MedUni Wien das einzige weltweit zugelassene und daher sichere Komplettsystem und eines der ersten Beispiele für funktionierende künstliche Intelligenz, die Ärzte im Arbeitsalltag unterstützen können. Dennoch birgt jeder Einsatz von KI auch Risiken. Ein Computer kann nur das diagnostizieren, das man ihm beigebracht hat: Wurde er zur Diagnose von diabetischer Retinopathie trainiert, dann wird er eine Netzhautablösung oder eine altersbedingte Makuladegeneration nicht erkennen. Ein weiteres Problem ist, dass er immer eine rückmeldung braucht ob seine Diagnose richtig ist, denn sonst entwickelt die "künstliche Intelligenz" mit der Zeit eigene Vorstellungen, was richtig und was falsch ist.

Weitere Details zur Netzhaut unter Bestandteile des Auges. und Der Sehvorgang

Wie die Netzhaut im Kontrastmittelbild aussieht kann man unter Angiographie nachsehen

(Stand 22.04.2021)