Brillen:

Nasenkneifer von früher

Mehr als jeder zweite Deutsche ist Brillenträger, nämlich 40,1 Millionen Erwachsene und 1,5 Millionen Kinder (Stand 2015). Vom 60. Lebensjahr an beträgt der Anteil der Brillenträger 93 %. 3,3 Millionen (5,2% der Erwachsenen) benutzen Kontaktlinsen und mehr als 55 Millionen tragen eine Sonnenbrille. Griff 1952 lediglich jeder achte zwischen 18 und 29 Jahren zur Brille, ist inzwischen fast jeder dritte in dieser Altersgruppemit einer Sehhilfe ausgestattet. Grund ist weniger, daß neuerdings mehr fehlsichtige Menschen existieren oder mehr fehlsichtig geworden sind, sondern die bessere (auch dekorativere) Brillenversorgung, verstärkte Sehtests und vor allem größere Anforderungen im Berufsleben. Wer kleine Schriften an einem Bildschirm erkennen muß, benötigt ein genaueres Sehen als der Feldarbeiter früherer Zeiten z.B. Es gibt aber auch eine generelle Tendenz in den Industrieländern zu verstärkter Kurzsichtigkeit. Näheres auf der Seite über Ursachen der Kurzsichtigkeit.

Der Ausgleich des vorhandenen Sehfehlers erfolgt in der Brille durch ein in eine bestimmte Form geschliffenes Glas. Dadurch wird das Licht so abgelenkt, daß wieder ein scharfes Bild auf der Netzhaut in der gewünschten Sehsituation entsteht. Die Brechkraft (Refraktion) der Brillenlinse wird dabei in Dioptrien gemessen. Die Abstufung in der Brille erfolgt dabei in Schritten von 0,25 Dioptrien. Geringere Abstufungen (z.B. 0,1) sind nicht sinnvoll, da die Brechkraft des normalen Auges bis zu 0,25 Dioptien im Tagesverlauf schwankt. Man unterscheidet torische von sphärischen Gläsern. Erstere sind zur Korrektur der Hornhautverkrümmung (Astigmatismus) und letztere zur Korrektur von Weit- und Kurzsichtigkeit. Zu ihrer Bestimmung siehe unter Sehfehlerbestimmung. Die teilweise propagierten sogenannten “Wellenfront-basierten Gläser” sind aus Sicht des Augenarztes kein zusätzlicher Gewinn und schlichtweg unnötig.

Je nach gewünschtem Verwendungszweck werden verschiedene Typen von Brillen unterschieden. Vor allem mit Beginn der Altersichtigkeit muß gesagt werden: Die Universalbrille, mit der alles ohne Probleme geht, gibt es nicht. Ein gewisser Kompromiß muß meist gemacht werden. Insbesondere bei den Gleitsichtbrillen gibt es auch schon einmal Eingewöhnungsprobleme (s. Brillenunverträglichkeiten) Im folgenden die großen Gruppen von Brillen für verschiedene Zwecke:

1. “normale Brille”

Die vorhandene Fehlsichtigkeit wird durch ein sogenanntes “Einstärkenglas” (d.h. eine Stärke im ganzen Glas) ausgeglichen.

Bei Kurzsichtigen ist das Auge zu lang und daher muß eine in der Mitte dünne und aussen dicke“ Zerstreuungslinse” (konkave Minuslinse) genommen werden, damit das Bild nicht vor, sondern genau auf der Netzhaut scharf abgebildet wird. Durch diese Form wird leider das Gesichtsfeld eingeschränkt, da man nur durch die dünne Mitte wirklich gut sehen kann. Das Auge wirkt durch diese Gläser betrachtet kleiner. Man erkennt dies am besten wenn man schräg durch die Brille schaut, dann ist der Teil des Gesichts kleiner, der hinter dem Brillenglas ist. Siehe Bild unten am Beispiel einer extremen Kurzsichtigkeit.

starke Kurzsichtigkeit

Der Kurzsichtige sieht die Umwelt mit Brille auch verkleinert. Ein Effekt, der mit Kontaktlinsen wegfällt. Auch das Sehen ist dadurch mit Kontaktlinsen häufig besser.

Bei Weitsichtigen ist das Auge zu kurz und daher muß eine lupenartige Linse genommen werden, die in der Mitte dick und am Rand dünn ist (konvexe Pluslinse) und das Licht verstärkt bündelt. Sie sorgt so dafür, daß das Bild auf der - im Vergleich zum normalen Auge - weiter vorne liegenden Netzhaut scharf abgebildet wird. Das Auge wirkt vergrößert, wenn man es durch diese Gläser betrachtet. Siehe auf dem Bild unten.

starke Weitsichtigkeit

Auch die Umwelt wird vergrößert gesehen, ein Effekt, der wie bei den Kurzsichtigen mit Kontaktlinsen wegfällt.

Bei Personen mit Hornhautverkrümmung (Astigmatismus) werden sogenannte “Zylinderlinsen” genommen. Das Glas ist wie aus einem zylinderförmigen Glas herausgeschnitten. Zu zwei Seiten wird es daher dünner und an zwei Seiten ist es dicker.

Bei Personen unter 45 ist mit diesen Gläsern ein Sehen auf alle Entfernungen möglich.

Als zusätzlicher Komfort können Beschichtungen oder spezielle Materialien verwendet werden.

  • Entspiegelung (mindert mittels einer Beschichtung der Gläser die Reflexe z.B. durch Scheinwerfer beim Autofahren; gibt es in 3 Stufen von einfach über mehrfach bis Superentspiegelung. Entspiegelte Gläser werden scheinbar schneller schmutzig. Dies wirkt aber nur so, weil man den Schmutz auf der matten Oberfläche besser sieht),

  • Tönung (mindert blendendes Licht, kann aber im Dunkeln stören, gibt es auch mit sich anpassender Tönung den sogenannten phototropen Gläsern -> s.u. unter Sonnenbrille),

  • extra dünnere Gläser (hochbrechender Kunststoff oder hochbrechendes Glas),

  • Kunststoffgläser (sind generell leichter aber auch kratzempfindlicher als normale Gläser. Bei Unfällen sind Kunststoffgläser sicherer. Sie werden besonders gerne für Kinder und Sportler genommen),

  • Hartschicht (zum Kratzschutz bei den weichen Kunststoffgläsern)

  • “Clean-Coat”-Beschichtung (sorgt dafür dass Wassertropfen abperlen und Staub oder andere Verschmutzungen,wie z.B. Fett, nicht mehr an der Oberfläche haften)

  • Antibeschlagbeschichtung (wirkt gegen Beschlagen, muß aber durch Reiben mit einem speziellen Tuch immer wieder erneuert werden)

  • Gesamtbeschichtung (Zusammenfassung von Hart-, Entspiegelungs- und CleanCoat-Schicht) heisst z.B. bei Essilor “Crizal”, bei Rodenstock “Solitaire” und bei Zeiss “LotuTec”

Keine Komfortfrage, sondern für die Funktion zwingend notwendig ist die besondere Konstruktion von Kinderbrillen (siehe auch Bild unter Vorsorge). Sowohl die Größe des Gestells als auch seine Form müssen dem kindlichen Gesicht angepaßt sein.

Welches Material (s. Brillenmaterialien) für das jeweilige Gestell und den Gebrauch bzw. welche Beschichtung für einen geeignet und auch bezahlbar ist, muß man mit dem Optiker seines Vertrauens besprechen. Hier ist inzwischen eine fast unübersehbare Vielfalt mit diversen Vor- aber auch Nachteilen entstanden.

2. Lesebrille

Ab ca. 45 Jahre ist ein Sehen in die Ferne weiterhin so wie bisher (also ohne bei Normalsichtigkeit oder mit Brille bei Sehfehlern) möglich aber in der Nähe gibt es mit der bisher vorhandenen Korrektur oder bei Personen - die bisher ohne Brille zurechtkamen - Probleme. Dies führt dazu, daß bei den 45- bis 59-jährigen 73% eine Brille tragen.

Wurde bisher keine Brille getragen wird eine Lesebrille verordnet. Entweder als Halbbrille (“Großmutterbrille”) d.h. man blickt über den Rand wenn man weit schauen möchte oder als ganze Brille, die zwar ein großes Gesichtsfeld in der Nähe ermöglicht aber abgenommen werden muß wenn man weit sehen möchte. Auch dies ist eine Einstärkenbrille.

Wurde schon immer eine Brille getragen oder möchte man nicht über den Rand schauen wird jetzt eine Bifokalbrille (s.3.) oder Gleitsichtbrille (s.4.) verordnet. Siehe auch unten auf der Seite unter 11.Lesehilfen.

3. Bifokalbrille

Lesebrille

Bei dieser und den folgenden 4 Typen spricht man von Mehrstärkenbrillen, da mehr als eine Stärke in der Brille eingebaut ist. Bei der Bifokalbrille ist der Leseteil unten wie ein Fenster eingesetzt, das heißt man hat 2 Brillen in einer. Wenn man unten durchblickt, kann man lesen und oben sieht man weit. Manche Patienten sprechen auch von einer “zweispurigen” Brille. Das Wechseln oder Abnehmen der Brille beim Blick von weit nach nah entfällt. Dafür fehlen die mittleren Entfernungen (z.B. Computerbildschirm, Navi, Tacho), die insbesondere beim über 55-jährigen ein Problem darstellen. Weiterhin stört manche der Streifen im Bild (die Kante des unteren Teils) oder auch das auffälligere Aussehen der Brille (“da sieht ja jeder, daß ich alt werde”). Die Amerikaner sprechen abschätzig von “Grannyglasses”, “Großmutterbrillen”.

Franklinglas

Als “Erfinder der Bifokalbrille” gilt übrigens der ehemalige amerikanische Präsident Benjamin Franklin. Er ärgerte sich, daß er immer die Brille zum Lesen und die zum Weitschauen wechseln musste und ließ daher seinen Optiker die Gläser der Nah- und der Fernbrille in der Mitte durchschneiden und die halbierten Gläser in eine Fassung montieren. Oben das Weitglas und unten das Nahglas. Während in der heutigen Bifokalbrille nur ein kleines Fenster unten für das Lesen eingeschmolzen wird, gibt es auch für bestimmte Sonderfälle Gläser nach dem Franklinprinzip, die sogenannte Franklinbrille (oben im Bild). Der Vorteil ist, daß man so einen ganz weiten verzerrungsfreien Nah- und Weitbereich hat, den z.B. die Gleitsichtbrille nicht hat.

4. Gleitsichtbrille

Um auch den mittleren Bereich voll abzudecken, wurde die Gleitsichtbrille erfunden. Hier findet sich ein übergangslos scharfes Bild von weit bis nah. Beim Geradeausblick sieht man weit durch das Fernteil, mit leicht abgesenktem Blick den Monitor oder den Tacho und unten in der Brille ist dann das Leseteil mit einem scharfen Bereich für 30-40cm. Dies ist gewöhnungsbedürftig, da man immer darauf achten muß wo man gerade durchschaut. Der klassische Fehler ist, am Anfang beim Treppe heruntergehen durch den unteren Teil zu schauen, der nur zum Lesen gedacht ist. Die Stufen erscheinen weiter weg und man stolpert. Auch der Blick nach der Seite, z.B. beim Einparken kann verzerrt oder unscharf sein. Es handelt sich hier um den sogenannten “Schlüssellocheffekt”. Aus technischen Gründen ist die Sehschärfe in den Randbereichen des Glases nicht optimal und es kommt zu leichten Verzerrungen. Aus letzterem Grunde ist die Gleitsichtbrille für manche Berufe nicht geeignet (z.B. Fliesenleger, der legt sonst schiefe Fugen). Weiterhin muß man sich in der mittleren Übergangszone (Progressionszone) sehr konzentrieren um die passende Höhe zum Scharfstellen der einzelnen Zeile auf dem Bildschirm zu finden. Bei manchen modernen kleinen Brillen ist dies noch schwieriger weil die Zone noch kleiner wird und die Verzerrungen zuehmen. Eine Gleitsichtbrille sollte daher eine gewisse Mindesthöhe nicht unterschreiten.

5. Bildschirmarbeitsplatzbrille

Eine sogenannte Bildschirmarbeitsplatzbrille berücksichtigt die besonderen Entfernungen und Bedingungen des Bildschirmarbeitsplatzes. In der normalen Gleitsichtbrille ist die mittlere Entfernung (der Bildschirm) nur in einem sehr schmalen mittleren Bereich gut lesbar. Mit der normalen Bifokalbrille gelingt dies mit zunehmendem Alter gar nicht mehr. Daher wird hier unter Vernachlässigung der Ferne ein besonders breiter mittlerer Bereich eingebaut. Für den Alltag (z.B. Autofahren) ist diese Brille dann leider nicht mehr geeignet, da der Fernbereich ungünstig hoch liegt oder nur auf 1,5m ausgelegt ist. Sie ist also nur eine Zweitbrille für den Arbeitsplatz. Notwendig ist sie hauptsächlich für Leute, die an einem großen Monitor Bildbearbeitung betreiben oder technische Zeichnungen anfertigen müssen (CAD). Für den gleichen Einsatz werden auch die “degressiven Gläser” auch “Gleitsichtgläser für die Naharbeit” genannt eingesetzt. Auch sie sind nicht für das Autofahren, sondern nur für den Bildschirmarbeitsplatz geeignet. Hier liegt der Arbeitsbereich von 40cm (Nahteil) bis 1m (Fernteil). Vorteil ist, daß die Progressionszone hier sehr breit ist und man nicht ganz so konzentriert “scharf stellen” muß.

6. “Zwischenbereichsbrille”

Diese Brillenform hat ein großes Nahfeld und oben ein Feld für mittlere Entfernungen aber keine Progressionszone. Sie ist für den leicht Alterssichtigen oder später für das Lesen und das Gespräch gedacht (Modell “Interview”) bzw. auch am PC möglich.

7. Individuell angepaßte Gläser

Hier werden besondere Arbeitsabstände in der Gleitsichtbrille berücksichtigt. Naturgemäß sind solche Sonderanfertigungen etwas teurer.

8. Sonnenbrille

Die Sonnenbrille dient der Dämpfung der blendenden Helligkeit (siehe Blendung) und dem Schutz vor dem schädlichen UV-Licht (s.Bedeutung des Lichtes). Sie hat bei fehlendem Sehfehler keine Werte und bei vorliegendem Sehfehler kann eine entsprechende Korrektur eingearbeitet werden. Dann kann man auch von “getönter Brille” sprechen. Das Ausmaß der Tönung hängt vom Verwendungszweck ab. Im Hochgebirge, auf Schnee und am Meer mit der intensiven Helligkeit muß sie natürlich dunkler sein. Es gibt hier 5 verschiedene Stufen (s.u.). Qualitätssonnenbrillen geben das mit z.B. “Kat 3” auf dem Bügel an (Bild unten). Universell verwendbar ist Kategorie 2 mit einer Lichtdurchlässigkeit von 18 bis 43 Prozent, d.h. es wird 57-82% des Lichtes abgehalten. Für pralle Sonne haben die üblichen Sonnenbrillen jedoch einen dunkleren Filter der Blendschutzkategorie 3 mit einer Lichtdurchlässigkeit von nur noch 8 bis 18 Prozent.

Grad des Blendschutzfilters:

Kategorie 0: 3-20% Tönung ((Nur sehr leichter Blendschutz für den Abend)

Kategorie 1: 20-57% Tönung (Leichter Schutz für bedeckte Tage)

Kategorie 2: 57 bis 82% Tönung (Dunkler Filter für sonniges Wetter im Schatten)

Kategorie 3: 82-92% Tönung (Empfohlener Filter für Strand und Sport)

Kategorie 4: 92-97 % Tönung (Für Alpin- und Wassersport mit praller Sonne)

Sonnenschutz

Skifahrer sollten Kategorie 4 wählen, da der Schnee die UV-Strahlung fast vollständig (90%) reflektiert und sie daher im Gegensatz zu dunklen Bodenoberflächen ungedämpft Richtung Auge lenkt. Aber auch mit zunehmender Höhe nimmt die UV-Strahlung zu, da sie durch weniger Luftschichten gefiltert wird. Die Kategorie 4 (hält 92-97% des Lichtes ab) ist daher auch ohne Schnee für das Hochgebirge gedacht. Für den Straßenverkehr ist sie jedoch ungeeignet (!!), da man damit zu wenig sieht. Bergwanderer sollten je nach Höhenlage (je höher desto intensiver das Licht) Kategorie 3-4 wählen und auch darauf achten, daß die Gläser um das Auge herumreichen, damit die seitliche Strahlung auch abgehalten wird.

Eine Sonderform ist die variable Tönung, sogenannte “selbsttönende (phototrophe) Gläser”. Hier paßt sich die Tönung in Abhängigkeit von UV-Strahlung und Hitze selbstständig an. Dies funktioniert allerdings nicht unter allen Bedingungen. In einem kalten Auto im Winter z.B. - d.h. wenn es noch kalt ist und die UV-Strahlung fehlt (geht durch die Windschutzscheibe kaum durch) - tönt sich die Brille kaum. Auch bei plötzlichen Einfahrten in einen Tunnel braucht eine solche Brille natürlich etwas um zu reagieren. Im Einzelfall kann dies störend sein.

Extrem wichtig ist der UV- Schutz bei Sonnenbrillen. Tönung und UV-Schutzwirkung haben nämlich nichts miteinander zu tun ! Der UV-Filter ist farblos. Bei guter Tönung aber schlechtem UV-Schutz kann die schädliche Strahlung nämlich ungehindert durch die weite Pupille (es ist ja dunkel für das Auge) in das Auge dringen. Selbst kann man den UV-Schutz nicht prüfen. Ein Hinweis auf ausreichenden Schutz ist das “ CE-Symbol” (EU-Norm erfüllt) auf dem Bügel oder die Aufschrift “EN 1836”. Dennoch sind die beiden Zeichen kein Garant für den UV-Schutz, denn es sind auch Brillen mit gefälschten Gütesiegeln im Umlauf bzw. es gibt keine Prüfung durch unabhängige Stellen.

Sonnenbrille Tönung und  UVschutz

In der Regel erfüllen die in Deutschland verkauften Brillen die Anforderungen aber vereinzelt gibt es selbst bei teuren Brillen mangelnden und damit gesundheitsgefährdenden UV-Schutz. Manche Optiker können das Ausmaß des Schutzes auch mit speziellen Geräten messen. Erwähnt werden sollte auch noch, daß das CE-Siegel nur Schutz bis 380nm Wellenlänge verspricht, während der Hinweis UV400 einen erweiterten Schutzbereich umfasst, wie er in Australien als Mindeststandard vorgeschrieben ist. Ob auch noch der Blaubereich weggefiltert werden soll (bis 480nm) ist umstritten (s.Makulopathie). Die UV-Strahlung nimmt übrigens mit je 1000 Höhenmeter um 30% zu. Auf 3000m Höhe herrscht also eine um 90% höhere UV-Strahlung als im Flachland, Grund sind die Teilchen in der Luft, die einen großen Teil der Strahlung “aufsaugen” (absorbieren). Je höher desto dünner die Luft und desto weniger dick die Luftschicht (Atmosphäre), durch die die Sonnenstrahlen durchdringen müssen.

Beim Kauf bedacht werden muß auch die Form. Eine modische kleine Brille bringt nicht viel, da das Licht doch von allen Seiten eindringt. Die Brille sollte schon guten Seitenschutz bieten.

Weiterhin ist die Farbe zu bedenken. Grau oder Braun sind ideal. Sie verändern die Umgebungsfarben kaum und sind für den Strassenverkehr geeignet. Tiefblau, orange oder rot gefärbte Gläser sind besonders beim Autofahren problematisch. Warnhinweise wie Bremslichter, Ampeln oder Schilder sind mit diesen Tönungen schlechter und damit später erkennbar. Gelbfarbige Gläser verfälschen die Farben zwar auch, geben aber bei Dunst und Nebel bessere Kontraste. Orangefarbige Gläser sind beim Outdoor-Sport praktisch, da sie den Grünkontrast verbessern.

Übrigens im Jahr 2012 wurden 45 Millionen Sonnenbrillen im Wert von 192,1 Millionen Euro eingeführt. 85,5% kamen aus China. In 2014 waren es sogar fast 55 Millionen. Nicht einmal 19% wurden vom Optiker verkauft.

9. Taucherbrillen:

Über die Korrektur von Sehfehlern beim Tauchsport lesen Sie unter Tauchsport

10. Sportbrillen:

Man schätzt, daß 15,6 Millionen Menschen in Deutschland eine optische Sportbrille oder Kontaktlinsen für mehr Leistung und mehr Sicherheit benötigen würden. Von den 18 Millionen Sport treibenden Menschen mit Brille oder Kontaktlinse tragen aber nur 2,4 Millionen eine optische Sportbrille, die mit Korrektionsgläsern ausgerüstet ist. Von den 20% der Schüler, die im Alltag eine Brille tragen, verwendet die Hälfte diese beim Sport nicht. Es gibt für jede Sportart spezielle Brillengestelle, die ggf. auch einen direkten Volltreffer mit einem Handball ohne Schaden überstehen würden. Die meisten Verletzungen gibt es mit Metallgestellen, die für den Ballsport absolut zu gefährlich sind. Besonderheiten des Auges im Sport finden Sie unter Auge und Sport. Näheres zu Schulsportbrillen z.B. finden Sie unter http://www.sicherheitimsport.de/sehenimsport

11. Lesehilfen und Internetbrillen:

In der Regel wird bei Sehfehlern die Brille beim Optiker angepasst. Erste Ausnahme ist die Lesehilfe, erhältlich meist beim Discounter. Bei ungefähr seitengleichem Sehfehler der Augen, kann beim Auftreten von Alterssichtigkeit eine Nahverstärkung aufgesetzt werden, um mal schnell im Telefonbuch oder auf der Speisekarte etwas nachzuschauen. Da das Glasmaterial qualitativ eher mäßig ist und auch bei der Herstellung der genaue Abstand der Pupillen und die Sitzhöhe der Brille nicht bekannt war, führt dies bei längerem Lesen zu Beschwerden. Als “Unterwegs-mal-schnell-Brille” kann dies jedoch akzeptiert werden. Man nennt sie deswegen auch Lesehilfe oder “Zweitlesebrille”. Für längeres Lesen sollte eine “richtige” Lesebrille vom Optiker angepasst werden.

Die zweite Ausnahme sind online bestellte Brillen. Derzeit werden 4% der Brillen online bestellt. Man gibt seine Werte ein, misst den Augenabstand mit einer Schablone selbst und bestellt seine individuelle Brille. Sogar Gleitsichtbrillen werden so geordert. Locken tut der scheinbar sehr günstige Preis und das Argument, daß dies Brillen in “Optikerqualität” seien. Hierzu gibt es einiges zu sagen. Erstens, eine Brille gleicher Qualität und Preislage ist auch bei Optikern, insbesondere den grossen Ketten erhältlich. Zweitens bedarf ein Brillenglas einer sehr genauen Anpassung hinsichtlich Höhe und Abstand des Mittelpunktes des Glases in Bezug zur Pupille des zukünftigen Trägers. Dies ist mit der Schablone nicht exakt möglich. Die Höhe wird gar nicht gemessen und die Lage der Pupille nur ungenau, unter anderem da bereits beim Ausdruck der Schablone mit dem heimischen Drucker Formatprobleme möglich sind. Wenn man bedenkt, dass insbesondere Gleitsichtbrillen nur 1mm Toleranz bei der Lage des Mittelpunktes (Zentrierung) dulden, wenn Verträglichkeit erreicht werden soll, ist ein Mißerfolg und eine unnötige Belastung der Augen vorprogrammiert. Insofern gilt das mit der “Optikerqualität” allenfalls für das Glas aber nicht für die fertige Brille.

12. Vergrößernde Sehhilfen:

Wenn mit normalen Brillen kein Lesen mehr möglich ist, gibt es spezielle besonders stark vergrößernde Brillen (s. unter Vergrößernde Sehhilfen).

13. Brillen für Entwicklungsländer:

Die Eindollarbrille, siehe www.eindollarbrille.de

150 Millionen Menschen auf der Welt bräuchten eine Brille, können sich aber keine leisten. Sie können nicht lernen, nicht arbeiten und nicht für ihre Familiensorgen. Die Lösung: Die EinDollarBrille. Sie besteht aus einem leichten, flexiblen Federstahlrahmen und fertigen Gläsern aus Kunststoff, die einfach eingeklickt werden. Die EinDollarBrille kann von den Menschen vor Ort selbst hergestellt und verkauft werden. Der Materialpreis liegt bei rund 1 US Dollar, der Verkaufspreis bei 2-3 ortsüblichen Tageslöhnen. Näheres unter: www.eindollarbrille.de

Seit wann gibt es Brillen ?

Die frühesten bekannten theoretischen Überlegungen zur Optik stammen aus der Antike (Euklid 300 v.Chr,). Die Römer kannten auch schon die vergrößernde Wirkung einer mit Wasser gefüllten Kugel. Der griechische Mathematiker Ptolemäus (90-160n.Chr.) konnte dann schon die genauen Brechungseigenschaften von Wasser und Glas ermitteln aber wir wissen heute, dass weder die Griechen noch die Römer im Altertum Sehilfen kannten.Das nächste optische Lehrbuch erschien erst 800 Jahre später im arabischen Raum des Mittelalters, geschrieben von Ibn al.Haitham (um 1000 n.Chr.).

Im 13. Jahrhundert gelang es schließlich Roger Bacon durch systematisch Untersuchungen der Lichtbrechung die “Linsenmachergleichung” zu finden. Er beschrieb auch die erste Lesehilfe, den sogenannten Lesestein. Ein halbkugeliges Kristall, dass zur Vergrößerung auf die Schrift gelegt wurde. Heute wird es als Hellfeldlupe bezeichnet. Er verbreitete sich im 13. Jahrhudert schnell, unter anderem durch handwerklich begabte Mönche des Franziskanerordens, die so ihren alterssichtigen Mitbrüdern das Lesen ermöglichten. Da man (ausser in Venedig) nicht in der Lage war farbloses Glas herzustellen, verwendete man geschliffene Bergkristalle, auch Beryll genannt - der sprachlichen Mutter der Brille. In Deutschland wurden die Lesesteine erstmals in der Dichtung im 13. Jahrhundert erwähnt.

Lesehilfe auf Gemälde von 1510

Die ersten Brillen wurden dann auch wahrscheinlich gegen Ende des 13. Jahrhunderts konstruiert. Im frühen Buchdruck und Gemälden fanden sich Hinweise auf ihre Konstruktion. Sie bestanden aus 2 Holzrahmen, ähnlich unseren heutigen Leselupen und waren paarweise am Ende des Griffs mittels eines Niets beweglich verbunden, daher der Name Nietbrille. Die erste bildliche Darstellung stammt von 1352. Mit etwas Glück hielten sie auf der Nase, ansonsten hielt man sie in der Hand. Einen Ausschnitt aus einem Bild von 1510 mit einer derartigen Brille sieht man oben. Es gab zunächst nur Plusgläser, also lediglich die Alterssichtigkeit und Weitsichtigkeit konnte so kompensiert werden. Ihre Brechkraft lagbei zwei bis drei Dioptrien und das Glas war aufgrund von metallischen Verunreinigungen leicht grün verfärbt. Ihre Darstellung fand sich auf zahlreichen Altarbildern und Kirchenfenstern. Da vor allem gealterte Heilige und Kirchenfürsten damit gezeigt wurden, weist dies darauf hin, daß vor allem die Geistlichkeit zu ihren ersten Nutzern zählte. Letzteres hatte natürlich mit der noch nicht so großen Verbreitung der Lesefähigkeit in der allgemeinen Bevölkerung zu tun. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts kamen die ersten Lederbrillen auf den Markt. Die Gläserhalterung bestand aus zwei Lederstreifen, die über die Augen reichten und ausgestanzt die Gläser enthielten. Der Sitz war aber mässig und so kamen Mitte des 16. Jahrhunderts Brillengestelle aus Kupferdraht auf den Markt. Sie wurden auf die Nase geklemmt oder mit einer Hand vor das Auge gehalten. Ohrbügel kamen erst 3 Jahrhunderte später zum Einsatz. Die ersten konkaven Gläser zur Korrektur der Kurzsichtigkeit sind erst gegen 1490 und 1500 beschrieben.

Im Sommer 1608 kam der holländische Brillenmacher Hans Lipperhey auf die Idee ein Fernrohr zukonstruieren, als er in seinem Laden Kinder mit herumliegenden Linsen spielen sah und diese zufällig eine konkave Minuslinse vor eine konvexe Pluslinse hielten. Es wurde daher auch holländisches Fernrohr oder Galilei-Fernrohr genannt, da Galilei es später weiter entwickelte. Noch heute wird dieses Prinzip beim Opernglas, bei der Fernrohrbrille (s. Vergrößernde Sehhilfen) und bei Telekonvertern beim Photographieren genutzt. Vorteil dieses Prinzips ist das aufrecht stehende Bild. Bei der anderen Art des Fernrohrs, dem astronomischen oder Kepler-Fernrohr, ist das entstehende Bild verkehrt herum und muß erst durch spezielle optische Tricks aufgerichtet werden.

Wann werden Brillen noch von der Kasse bezahlt?

Das ist etwas kompliziert. Aber im Prinzip bis 18 Jahre immer und danach nur in Ausnahmefällen (z.B. bei sehr starker Sehbehinderung oder Fehlsichtigkeiten über 6dptr). Übernommen werden auch nur gewisse Festbeträge, die in den meisten Fällen die realen Kosten bei weitem nicht abdecken. Das ist durchaus ein soziales Problem, da die ältere Rentnerin mit geringer Rente sich häufig keine vernünftige Brille leisten kann und dann ganz darauf verzichtet.

Gleichzeitig werden von den Kassen aus PR-Gründen Therapien bezahlt, deren Wirksamkeit gar nicht bewiesen ist, wie z.B. die Homöopathie. Für Jürgen Windeler vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, zuständig für die Wirksamkeits-Prüfung von Therapien, ist klar, dass die hochverdünnten Homöopathika nur Scheintherapien sind. “Menschen verstehen nicht, warum sie ihre Brille selber zahlen müssen - und gleichzeitig erstatten die Kassen Homöopathie“, sagt er. “Krankenkassen glauben ja selber nicht an den Nutzen dieser Verfahren.“

Zu den Ausnahmen im Erwachsenenalter gehört Weit- und Kurzsichtigkeit über 6 Dioptrien und Hornhautverkrümmung über 4 Dioptrien. Auch bei quasi Einäugigkeit, wenn ein Auge nur 30% und weniger sieht, werden Kunststoffgläser übernommen. Zuschüsse gibt es aber generell nur auf die Gläser und nie auf das Gestell.

Weitere Informationen im Internet:

Die Geschichte der Brille allgemein und der Sonnenbrille im besonderen sowie Informationen zur Brille und Kontaktlinse allgemein im Internet

(Stand 04.08.2019)