Lidrandentzündung:

Was ist eine Lidrandentzündung ?

Die Lidrandentzündung, mit dem medizinischen Fachausdruck “Blepharitis” genannt, ist eine entzündliche Rötung und Schwellung der Lidränder. Sie ist nach dem Trockenen Auge und den Sehfehlern eine der häufigsten Diagnosen in der Augenarztpraxis.

Was ist die Ursache ?

Lidrandentzündung mit begleitender Bindehautentzündung

Ursächlich sind anlage- oder infektionsbedingte Veränderungen der Talgdrüsen und ihrer fettigen Absonderungen im Lidkantenbereich. Talgdrüsen sind Hautdrüsen die eine fettige Flüssigkeit bilden, um die Oberfläche zu “schmieren”, zu schützen und zu pflegen. Talgdrüsen gibt es überall auf der Haut und einige besondere Formen auch an den Lidern. Sie heißen Meibomdrüsen, sitzen in den Lidern und münden an der Lidkante, um diese zu “schmieren” und so die Lider besser gleiten zu lassen, bzw. eine fettige Schutzschicht über den Tränenfilm zu legen.

Man unterscheidet 2 verschiedene Formen der Lidrandentzündung:

Typ 1: Durch eine Infektion mit Bakterien bedingt: Eine Infektion der zu den Wimpern gehörenden Talgdrüsen mit bestimmten Bakterien führt zu einer Krustenbildung.

Typ 2: Eine anlagebedingte Funktionsstörung der Talgdrüsen der Lidkante: Hier kommt es unter bestimmten Bedingungen zu einer Veränderung der Talgdrüsenflüssigkeit, zu Verstopfung der Drüsen und zur Schuppenbildung. Man spricht auch von Meibomdrüsendysfunktion. Insbesondere Rotblonde neigen dazu. Auslösend wirken Rauch, Magen-/Darmstörungen, nicht korrigierte Weitsichtigkeit, Staub, die Hauterkrankung Rosazea etc.

Ergänzend können sein:

1.) Einen entzündungsfördernden Einfluß zusätzlich bei den Typen 1 und 2 kann auch ein Befall der Wimpern mit Milben (Demodex) sein. Sie leben in den Haarwurzelhüllen (Haarwurzelfollikeln) der Wimpern (daher auch Haarbalgmilben genannt), erscheinen in der Nacht, paaren sich, legen ihre Eier auf die Wimpern und kriechen am Morgen wegen ihrer Lichtempfindlichkeit wieder in die Haarwurzelhülle. Der Befall ist schwer beweisbar, da sie so klein sind, dass man sie ohne Mikroskop nicht erkennt. Insofern bleibt es eine Verdachtsdiagnose und bei nicht anschlagender Therapie bei den obigen Blepharitisformen, sollte man an Demodexbefall denken. Deswegen auch gleich der Hinweis an alle Übersensiblen, die sich jetzt gleich vor Ekel schütteln ("Iiih, da krabbelt was auf mir rum"): Auf eurer Haut, Schleimhaut und in eurem Darm tummeln sich auch Milliarden von Bakterien und davon bekommt ihr auch nichts mit und die Hausstaubmilben in eurem Bett sind auch da ohne, daß ihr deswegen unreinlich seid. Das darf man nicht mit Läusen und ähnlichen Krabbelviechern vergleichen.

2.) Eine Sonderform stellt die allergische Entzündung der Lider und der Bindehaut, die allergische Blepharokonjunktivitis dar.

Wie sind die Beschwerden ?

Bei Typ 1 finden sich kleine Krüstchen um die Wimpernansätze und die Lidränder sind gerötet und geschwollen (s. unten) und mit kleinen Krusten bedeckt. Entfernt man diese sieht man kleine manchmal blutende Hautgeschwüre. Es kann langfristig zum Ausfallen der Wimpern (Madarosis s. rechts), Fehlstellungen und Scheuern der schief gewachsenen Wimpern (Trichiasis, siehe auch unter Entropium) an der Augen kommen. Häufig entwickeln sich Gerstenkörner.

Blepharitis mit Madarosis

Bei Typ 2 spürt man ein Jucken der Lidkante, sowie ein Brennen der Augenoberfläche und ein Müdigkeitsgefühl der Augen. Man sieht auch hier eine Rötung und Schwellung der Lider, die mit weißlichen Schuppen bedeckt sind. Die Wimpern fallen leicht aus (Madarosis), an der Lidkante können sich kleine Talgpfropfen auf den Ausführungsgängen der Drüsen bilden (man sieht im Spiegel kleine gelbe Knötchen auf der Lidkante, siehe Bild unten).

verstopfte Meibomdrüse

Diese Veränderungen müssen natürlich nicht alle und dazu noch gleichzeitg vorhanden sein, denn es gibt auch milde Formen bzw. mit einer Veränderung fängt es an. In der Folge entsteht häufig zusätzlich ein trockenes Auge. Bei den verstopften Talgdrüsen liegt eine sogenannte Meibomdrüsendysfunktion vor und der Tränenfilm ist instabil und es kommt zum Trockenen Auge.

Wie wird behandelt ?

Bei Typ 1 ist die Behandlung unproblematischer und erfolgversprechender. Man gibt antibiotische Augensalben und wenn dies nicht reicht, antibiotische Tabletten dazu. Dann ist das Problem meist in wenigen Wochen erledigt.

Bei Typ 2 ist eine dauerhafte Heilung nicht möglich. Rückfälle kommen vor und müssen erneut behandelt werden. Teilweise über Monate müssen antibiotische Tabletten gegeben werden. Es ist aber zumindest eine starke Linderung erzielbar. Zunächst müssen die Krusten unter denen die Entzündung fortdauert mit sogenannter “Lidrandhygiene” entfernt werden. Man macht sehr warme feuchte Kompressen (kein Kamillentee, wirkt häufig allergisierend) und entfernt die Schuppen mechanisch. Auch die verstopften Talgdrüsen müssen entleert werden. Details dazu finden sich auf der Seite Lidrandhygiene.

Beim Befall mit Milben, erreicht man mit der Behandlung der Lidkanten mit Teebaumöl - in der Regel in getränkten Tüchern zur Lidkantenbehandlung - eine Besserung.

Bei der allergisch ausgelösten oder verstärkten Blepharitis muss antiallergisch vorgegangen werden. Vergleiche auch das Kapitel Allergien.

Wie dringend ist die Behandlung ?

Sehr, da bei längerem Verlauf (viele Patienten kommen erst nach Jahren, vor allem bei Typ 2) immer mehr Lidrandveränderungen (s. oben unter Beschwerden) entstehen, die nicht mehr “repariert” werden können. Das in der Folge entstehende trockene Auge ist dann schon chronisch.

(Stand 10.04.2021)