Ich habe eine neue Brille, bekomme aber Kopfschmerzen und/oder sehe schlechter. Woran kann das liegen ?

Jede Brille bedarf einer Eingewöhnungsphase. Diese ist aber je nach Person und je nach vorgenommenen Veränderungen in den Gläsern unterschiedlich lang. Sie kann Stunden, Tage oder Wochen dauern. Kommt man nach 4 Wochen trotz konsequentem Tragen immer noch nicht zurecht, sollte man die Brille beim Optiker und Augenarzt überprüfen lassen.

Brillenunverträglichkeit

Welche Gründe für eine dauerhafte Unverträglichkeit kann es geben ?

1. Die Zentrierung

Brillengläser haben immer einen Mittelpunkt, dieser muß genau vor der Pupille plaziert sein. Wird dies bei der Anfertigung nicht berücksichtigt oder rutscht die Brille immer in eine andere Stellung als vorgesehen, treten optische Verzerrungen auf und das Brilletragen ist unangenehm und für die Augen anstrengend. Besonders leicht treten hier bei Gleitsichtgläsern Probleme auf, da hier die ideale Stellung vor den Augen noch wichtiger ist. Bei Kleinkindern sind deswegen z.B. nur Gestelle geeignet, die die kleinere Kopfform berücksichtigen. Eine Brille wie auf dem Bild oben kann nicht beschwerdefrei funktionieren. Wächst das Kind und damit auch sein Kopf muß dann manchmal eine andere Brille angefertigt werden obwohl die Glasstärke evtl. gleich geblieben ist.

2. Eine Verwechslung der Gläser

Die Anfertigung einer Brille ist Handwerk. Wie überall kann es auch hier Fehler geben. Zum Beispiel die Werte oder Gläser von einem anderen Patienten sind verwendet oder links und rechts verwechselt worden. Dann sieht man natürlich unscharf.

3. Ein erstmaliges Zweistärkenglas

Bei Zweistärkengläsern ist der untere Teil zum Lesen gedacht. Dies bedeutet, dass man beim Treppe heruntergehen den Kopf senken muß, um durch den oberen Teil zu schauen....

4. Eine erstmalige Gleitsichtbrille

Die Gleitsichtbrille ist hier noch komplizierter, weil es praktisch 3 Brillen in einer sind. Oben ist der Teil für die Ferne, in der Mitte der für mittlere Entfernungen (Tacho, Navi, Monitor) und unten der zum Lesen. Man muß sich also daran gewöhnen, jeweils durch den richtigen Teil zu schauen, sonst ist alles unscharf. Bei der Gleitsichtbrille kommt noch ein technisch bedingter Nachteil hinzu: Man kann zwar beim Auf- und Abblick alle Entfernungen gut erkennen aber wenn man seitlich durch das Glas blickt, wird alles unscharf. Es ist also wichtig, den Kopf mehr mitzubewegen beim Autofahren und und Lesen, sonst werden die Dinge unscharf oder sogar schräg. Auch Kopfhaltungen, die dazu führen, daß man durch einen nicht für diese Sehentfernung geeigneten Teil der Brille schaut, beeinträchtigen die Sehschärfe. Typisch ist dies z.B. beim gemütlichen seitlichenLiegen auf dem Sofa, da klappt meist Lesen und Fernsehen nicht richtig.

5. Die erstmalige Verordnung oder die deutliche Veränderung der Hornhautverkrümmung in der Brille

Hornhautverkrümmungen führen zu Bildverzerrungen. Wenn ihr Gehirn das kennt, versucht es die Bilder im Sehzentrum „geradezubiegen“. Dies geht häufig zu Lasten der Bildschärfe. Will man den Betroffenen schärfer sehen lassen, muß das Glas in der Brille entsprechend „krumm“ geschliffen werden, um das Bild wieder „gerade zu biegen“. Bei manchen geht nun ihr Gehirn hin und dreht die Bilder aus Gewohnheit weiter herum, obwohl dies durch das Brillenglas schon „erledigt“ wurde. Dadurch wird ein an sich gerades Bild bis zur Gewöhnung verzerrt.

6. Starke Brechkraftunterschiede in den Augen

Sind die Gläserstärken sehr unterschiedlich, ist die im Auge entstehende Bildgröße auch verschieden. Wenn man dann die Augen abwechselnd zukneift, stellt man fest, dass die Gegenstände verschieden groß sind. Dies kann zu Problemen führen und das räumliche Sehen beeinträchtigen. Dann muß manchmal ein Glas abgeschwächt werden oder statt einer Brille, Kontaktlinsen getragen werden.

7. Erstmalige Brille nach der Operation des grauen Stars

Nach der Operation des grauen Stars sind die Brillenwerte völlig anders. Dies kann bei Manchen zu Umgewöhnungsproblemen führen. Zusätzlich kann bei einigen Patienten der Wert sich kurz nach der Brillenanpassung noch mal ändern, dann stimmt die Brille nach einem halben Jahr schon wieder nicht. Glücklicherweise ist dies selten.

8. Eine Fehlanpassung

Für die Brillenanpassung ist die Mitarbeit des Patienten entscheidend. Werden unpräzise oder widersprüchliche Angaben bei der subjektiven Refraktionsbestimmung gemacht, kann der Brillenanpasser auch keine gute Brille hinbekommen. Dann ist die Brille natürlich nicht gut verträglich. Bei manchen Menschen bestehen hier je nach Müdigkeit, Zustand nach langer Naharbeit oder psychischer Verfassung große Unterschiede in der als angenehm empfundenen Brillenstärke. Auch schwankende Zuckerspiegel beim Diabetes können die notwendigen Werte stark verfälschen.

9. Der falsche Anwendungszweck

Wenn man eine Lesebrille für den Abstand 30-40cm verordnet bekommt, damit man gut lesen kann, heißt das nicht, daß sie bei der Arbeit an der Werkbank als Handwerker, als Musiker am Notenpult oder als Schreibtischtäter am PC mit einem ganz anderen Arbeitsabstand auch funktioniert. Hierfür muß man ggf eine andere Brille anpassen. Wichtig ist es also dem anpassenden Augenarzt den Anwendungszweck und die Arbeitsentfernung mitzuteilen.

10. Umstellung von Kontaktlinsen

Wurden bisher ausschließlich oder schon sehr lange nur Kontaktlinsen getragen ist der Größenunterschied bei der Betrachtung der Umwelt, zumindest bei starken Werten evt. sehr irritierend und bedarf der Gewöhnung. Vorübergehend kann Fahruntüchtigkeit vorliegen.

11. Irrtümer beim Ausfüllen des Rezepts

Beim Eintragen der Werte in das Rezept oder der Glasbestellung ist ein Fehler unterlaufen. Irren ist leider menschlich. Ruhig bleiben, das kann man regeln.

12. Krankheiten, die die Brechkraft im Auge vorübergehen verändern

Hier liegt dann zum Zeitpunkt der Anpassung ein anderer Sehfehler als jetzt vor. Näheres siehe unter Ursachen der Kurzsichtigkeit.

(Stand 03.01.2016)