Die Schwangerschaft stellt in vielerlei Hinsicht, vor allem aber auch medizinisch eine besondere Phase im Leben dar. Hormonelle Umstellungen machen sich für die werdende Mutter in allerlei positiven aber auch negativ empfundenen Veränderungen bemerkbar. Insgesamt sind Sehstörungen und andere Veränderungen am Auge selten, betreffen höchstens 15% der Schwangeren und sind in der Regel harmlos und vorübergehend.

Spätestens seit dem Conterganskandal ist man hochvorsichtig was die Medikamentengabe in der Schwangerschaft angeht.

Was ändert sich denn nun am Auge und auf was muß man achten ?

Harmlose Veränderungen:

  • Bei 90% der Schwangeren kommt es zu einer hormonell bedingten Zunahme der Hautpigmentierung, bei 5-70% als “Schwangerschaftsmaske”, dem sogenannten Chloasma. (Bild). Es kann allerdings auch durch die “Pille” entstehen.
  • Die Tränenproduktion ist verändert und es können Beschwerden durch ein Trockenes Auge auftreten, das häufig eine Kontaktlinsen-Unverträglichkeit während der Schwangerschaft nach sich zieht.
  • In 10% treten Bindehauteinblutungen (Hyposphagma) während der Schwangerschaft oder nach der Geburt auf. Sie sehen wild aus, sind aber harmlos.
  • Der Augeninnendruck, nimmt in der Schwangerschaft hormonell bedingt um 2-3mmHg ab. Während der Presswehen 4 bis max. 12 mmHg zu. Dies ist jedoch aufgrund der Kürze auch für einen vorgeschädigten Sehnerv unbedenklich.
  • Durch wassereinlagerungsbedingte Zunahme der Hornhautdicke und der Linsendicke kommt es bei 14% der Schwangeren zu Schwankungen der Augenbrechkraft (Refraktion) und damit zu Sehstörungen im Sinne einer stärkeren Kurzsichtigkeit. Nach der Schwangerschaft baut sich dies wieder ab. Eine Brillenanpassung während der Schwangerschaft ist also nicht sinnvoll. Auch eine Laserkorrektur des Sehfehlers ist aus diesem Grund während und bis ein Jahr nach der Schwangerschaft nicht empfehlenswert.

Krankhafte Veränderungen:

  • Die Retinopathia centralis serosa kommt selten während der Schwangerschaft vor und bildet sich nach der Geburt spontan wieder zurück.
  • 5-11% der Schwangeren entwickeln einen hohen Blutdruck. 40-100% zeigen dabei im Rahmen der Netzhautkontrolle sichtbare Veränderungen der Netzhautblutgefäße, die sich aber wieder zurückbilden. Nur bei extremen Formen des Schwangerschaftshochdrucks (Schwangerschaftskranpf = Präeklampsie/Eklampsie) hat dies dann Folgen für die Netzhaut.

Wie steht es mit Augenmedikamente während der Schwangerschaft ?

Hier besteht eine große Unsicherheit. Aus ethischen Gründen werden keine Studien an Kindern und Schwangeren durchgeführt und dann wird einfach auf den Beipackzettel geschrieben: “Kontraindikation” oder “strenge Indikationsstellung”. Es gibt jedoch Erfahrungswerte auf deren Basis einiges eben doch gegeben werden kann. Industrieunabhängige Beratung hierzu gibt es z.B. unter www.embryotox.de in Berlin.

  • Für bakterienbedingte Bindehautentzündungen gibt es durchaus Antibiotika, die genommen werden dürfen. In den meisten Fällen ist eine Bindehautentzündung jedoch virusbedingt und bedarf keiner antibiotischen Therapie.
  • Alle üblichen Medikamente für allergische Reaktionen am Auge können verwendet werden.
  • Bei einem Grünen Star empfiehlt sich vor allem Timolol, ein Betablocker. Mit den anderen Augendrucksenkern liegen noch keine längeren Erfahrungen vor und zumindest theoretisch sind sie teilweise bedenklich.
  • Auch Herpesinfektionen am Auge können normal therapiert werden.
  • Entzündungshemmung mit Cortison geht, allerdings nur mit bestimmten Präparaten.

Welche mit Augentropfen verbundene augenärztliche Diagnostik ist möglich ?

  • Die Messung des Augeninnendrucks mit den dabei verwendeten Augentropfen ist erlaubt.
  • Die medikamentöse Erweiterung der Pupille zur Netzhautuntersuchnung auch.
  • Sogar eine Angiographie bei der Fluoreszein gespritzt wird ist möglich.
  • Örtliche Betäubung mit Augentropfen zu Untersuchungs- oder Behandlungszwecken sind kein Problem.

Schwangerschaft und Diabetes:

2-5% der Schwangeren sind bereits vor der Schwangerschaft an Diabetes erkrankt. Bei geringen oder fehlenden Veränderungen der Netzhaut vor der Schwangerschaft verschlimmert sich der Befund selten. Bei vorbestehenden deutlichen Schäden verschlechtert sich der Befund in der Hälfte der Fälle deutlich. Es sollten daher während der Schwangerschaft mindestens vierteljährliche Kontrollen und bei stärkeren Vorschäden auch monatliche Kontrollen stattfinden. Langfristig betrachtet scheint sich eine Schwangerschaft bei guter Kontrolle der Werte nicht auf die Weiterentwicklung der diabetischen Netzhautveränderungen auszuwirken. Der reine Schwangerschaftsdiabetes, der ja wie der Name schon sagt nur in der Schwangerschaft vorliegt, birgt kein Risiko für einen diabetischen Netzhautschaden (Retinopathie).. ...

Darf ich auch bei Augenerkrankungen normal gebären ?

Bei keiner Augenerkrankung ist eine Verschlechterung durch eine normale Geburt zu befürchten. Selbst mit Grünem Star, hoher Kurzsichtigkeit, Netzhautdegenerationen und Zustand nach Netzhautablösung besteht kein Grund deswegen einen Kaiserschnitt durchzuführen !

(Stand 14.01.2018)